Algen an gedämmter Fassade entfernen: Ursache und Ablauf

Algen an gedämmter Fassade entfernen ohne WDVS-Schaden: warum Tauwasser die Ursache ist, wie du schonend reinigst und welche Maßnahmen den Befall bremsen.

Anwendungen Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

In diesem Artikel
  1. Warum gerade gedämmte Fassaden grün werden
  2. Wo die Algen zuerst auftauchen
  3. Ist der Algenbelag auf dem WDVS schädlich?
  4. Warum Hochdruck und Chlor hier tabu sind
  5. So entfernst du Algen von der gedämmten Fassade
  6. Wann ein Algenentferner sinnvoll ist
  7. Damit die Algen langsamer zurückkommen
  8. Fazit: sanft reinigen, Feuchte bremsen
  9. Häufige Fragen

Ein paar Jahre nach der Dämmung zeigt sich auf der Nordseite ein grüner Schimmer, oft zuerst unter Fensterbänken und an den Ecken. Das ist ein bekanntes Phänomen gedämmter Häuser und hat eine physikalische Ursache: Die Oberfläche wird nachts nass, obwohl es nicht regnet. Wer das versteht, reinigt schonender und hat länger Ruhe.

Warum gerade gedämmte Fassaden grün werden

Der Grund liegt in der Schicht ganz außen. Bei einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) sitzt ein wenige Millimeter dünner Putz auf einer Dämmplatte. Die Dämmung tut genau, wofür sie gebaut ist: Sie hält die Wärme des Hauses drinnen. Der Putz darüber bekommt davon kaum noch etwas ab.

Was nachts passiert, beschreibt das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) so: Die Außenoberfläche verliert ständig Energie durch Abstrahlung. Tagsüber gleicht die Sonne das aus, die Wand erwärmt sich und trocknet. Nachts fehlt diese Zufuhr, die Oberfläche kühlt ab, und sinkt sie so weit unter die Lufttemperatur, dass der Taupunkt unterschritten wird, schlägt sich Wasser auf ihr nieder.

Eine massive Wand aus Ziegel oder Porenbeton speichert tagsüber Wärme und gibt sie nachts nach außen ab. Bei einem WDVS fehlt dieser Speicher direkt unter der Oberfläche. Das IBP hat an zwei nach Westen gerichteten Fassaden gemessen, dass die Wand mit WDVS die Taupunkttemperatur deutlich länger unterschreitet als die massive Konstruktion. Schon 1997 führte das Institut Algen an älteren WDVS-Fassaden „primär auf die Lage der Dämmschicht unter dem Putz” zurück.

Dazu kommt die Jahreszeit. Als kritische Zeiträume nennt das IBP Herbst und Frühling: lange, klare Nächte, hohe Luftfeuchte, wenig Sonne zum Abtrocknen. Im Hochsommer und im Winter finden die Algen schlechtere Bedingungen vor.

Schematischer Tagesverlauf der Oberflächentemperatur an einer Westfassade im Herbst. Eine gestrichelte Linie zeigt die Taupunkttemperatur der Luft. Die Kurve der massiven Wand bleibt nachts fast durchgehend darüber, die Kurve der Wand mit Wärmedämmverbundsystem fällt am Abend früher und tiefer ab und liegt die ganze Nacht unter dem Taupunkt, die Fläche darunter ist als Tauwasserzeit markiert. Darunter ein Balkendiagramm nach Fraunhofer IBP: Ein dickerer Außenputz verringert die Dauer der Taupunktunterschreitung um bis zu 20 Prozent, eine wetterresistente Infrarot-Farbe um fast 30 Prozent, ein Latentwärmespeicher um bis zu 70 Prozent. Eine Markierung bei 25 Prozent zeigt die Verringerung, die laut Institut die meisten Bewuchsprobleme lösen dürfte.
Die gedämmte Wand kühlt nachts unter den Taupunkt und bleibt stundenlang nass. Maßnahmen, die diese Zeit um etwa ein Viertel verkürzen, lösen laut Fraunhofer IBP die meisten Algenprobleme.

Wo die Algen zuerst auftauchen

Die Verteilung auf der Fassade folgt der Feuchte. Das Umweltbundesamt nennt in seinen Merkblättern zum Biozideinsatz an Fassaden diese Faktoren für ein höheres Befallsrisiko:

FaktorHöheres RisikoGeringeres Risiko
AusrichtungNorden, WestenSüden, Osten
UmgebungBäume und Sträucher direkt an der Fassade, Wald, Beschattung, landwirtschaftliche Flächenkein oder niedriger Bewuchs, keine Beschattung
Lage und KlimaSenken, Gewässernähe, Nebel, viel SchlagregenHügellage, trocken, wenig Schlagregen
Konstruktionfehlender oder kleiner Dachüberstand, fehlende Tropfkantenausreichende Dachüberstände und Tropfkanten
Oberflächentemperaturgedämmte Fassaden, zum Beispiel verputztes WDVSOberflächen mit hoher Wärmespeicherfähigkeit

Das IBP hat zur Ausrichtung eine Zahl beigesteuert: Auf Süd- und Ostseiten liegen die berechneten Betauungszeiten rund 20 Prozent unter denen von Nord- und Westseiten. In der Praxis zeigen sich die meisten Probleme auf genau diesen beiden Seiten.

Typische Startpunkte sind außerdem die Flächen unter Fensterbänken ohne ausreichende Tropfkante, der spritzwasserbelastete Sockel und Bereiche unter undichten oder überlaufenden Dachrinnen.

Ist der Algenbelag auf dem WDVS schädlich?

Für die Dämmung selbst nicht. Das Umweltbundesamt schreibt, die „lebenden” Verschmutzungen beeinträchtigten „keineswegs die bauphysikalische Funktionalität”. Das Fraunhofer IBP bewertet Algen auf WDVS als optische Beeinträchtigung, vergleichbar mit stärkerer Verschmutzung an viel befahrenen Straßen.

Ernst nehmen solltest du den Belag trotzdem, und zwar als Hinweis. Wo er besonders dicht sitzt, bleibt die Oberfläche besonders lange nass. Ein Blick auf diese Stellen lohnt sich: Gibt es Risse im Putz, undichte Anschlüsse an Fensterbänken oder eine Dachrinne, die überläuft? Solche Mängel sind die eigentliche Baustelle, der grüne Film zeigt nur, wo sie liegen.

Warum Hochdruck und Chlor hier tabu sind

Beim WDVS schützt eine dünne, gewebebewehrte Putzschicht die Dämmung. Ein harter Wasserstrahl kann Wasser über feine Risse in diese Armierungsebene drücken, wo es nur langsam wieder heraus kann. Die Folgen zeigen sich oft erst Monate später als Flecken, Ausblühungen oder Abplatzungen nach Frost. Die Details dazu stehen im Ratgeber Fassade reinigen mit Hochdruckreiniger.

Ein zweiter Grund betrifft viele neuere Putze und Farben: Sie sind mit Wirkstoffen gegen Algen ausgerüstet, erkennbar an Hinweisen wie „filmgeschützt”. Das Umweltbundesamt warnt, dass die Reinigung mit dem Hochdruckreiniger an solchen Fassaden die Auswaschung der Biozide verstärkt, die Umwelt belastet und die Schutzwirkung zerstört.

Chlor ist an gedämmten Fassaden ebenfalls eine schlechte Wahl. Natriumhypochlorit bleicht Farbe aus und greift das Bindemittel von Kunstharz- und Silikonharzputzen an, beides typische Oberflächen auf WDVS. Welche Regeln für Chlor an der Fassade gelten, erklärt der Ratgeber Ist Fassadenreinigung mit Chlor erlaubt?.

So entfernst du Algen von der gedämmten Fassade

Das Umweltbundesamt nennt für frischen Bewuchs das einfachste Mittel: nass abwaschen oder abbürsten. Daraus ergibt sich ein Ablauf, der ohne Chemie auskommt und das System schont.

  1. Den richtigen Tag wählen. Trocken, bedeckt, über etwa 10 Grad. In praller Sonne trocknet die Fläche zu schnell, bei Frost darf kein Wasser in der Wand stehen.
  2. Umgebung vorbereiten. Beete und Rasen am Haus abdecken, Fenster schließen, Leiter oder Rollgerüst sicher aufstellen. Für Arbeiten über Erdgeschosshöhe ist ein Gerüst die sichere Lösung.
  3. Vornässen. Die Fläche mit dem Gartenschlauch und weichem Brausestrahl anfeuchten. Der Belag weicht auf und löst sich leichter.
  4. Abbürsten. Mit einer weichen Fassadenbürste oder einem großen Schwamm in überschaubaren Abschnitten arbeiten, bei Bedarf mit klarem Wasser und etwas mildem Neutralreiniger. Harte Bürsten und Drahtbürsten rauen den Oberputz auf.
  5. Nachspülen. Mit dem Gartenschlauch von oben nach unten, damit gelöster Belag nicht über die schon gereinigte Fläche läuft.
  6. Abtrocknen lassen und prüfen. Am nächsten Tag zeigt sich, wo noch Reste sitzen. Dort ein zweites Mal bürsten.

Bei größeren Flächen oder hartnäckigem Belag arbeiten Fachbetriebe mit Niederdruckverfahren: Ein Reinigungsmittel wird drucklos aufgebracht, wirkt ein, und die Fläche wird mit sehr geringem Druck abgespült. Das Ergebnis hängt dabei stark vom Mittel ab, darum lohnt die Frage nach Produkt und Freigabe.

Wann ein Algenentferner sinnvoll ist

Reicht Wasser und Bürste nicht, kommt ein Algenentferner in Frage. Das Umweltbundesamt setzt ihn bewusst ans Ende der Reihenfolge: Erst wenn mechanische Methoden im Einzelfall nicht ausreichen, sollten zusätzlich biozide Mittel verwendet werden.

Worauf du beim Kauf und bei der Anwendung achtest:

  • Zulassung prüfen. Fassaden-Algenentferner mit Biozidwirkung tragen eine Zulassungsnummer (DE-…) oder eine Registriernummer (N plus fünf Ziffern).
  • Freigabe für WDVS. Auf dem technischen Merkblatt oder beim Hersteller des Dämmsystems nachfragen, ob das Mittel für den vorhandenen Oberputz geeignet ist.
  • Probefläche. Eine unauffällige Stelle behandeln und nach dem Trocknen auf Farbveränderungen prüfen.
  • Umwelt schützen. Pflanzen und Boden abdecken, keine Reste in Gewässer oder Kanalisation, kein Sprühnebel. So beschreibt es das Umweltbundesamt für alle biozidhaltigen Fassadenprodukte.

Ein abgetöteter Belag braucht oft einige Wochen und mehrere Regenfälle, bis er vollständig von der Fläche verschwindet. Nachbürsten beschleunigt das.

Damit die Algen langsamer zurückkommen

Die Reinigung entfernt den Belag, an der nächtlichen Abkühlung ändert sie nichts. Das IBP hat untersucht, welche Maßnahmen die Dauer der Taupunktunterschreitung an WDVS verkürzen. Die Zahlen aus der Veröffentlichung von 2018:

MaßnahmeVerringerung der Taupunktunterschreitung
Dickerer Außenputz mit mehr Wärmespeicherbis zu 20 %
Wetterresistente infrarotreflektierende Fassadenfarbefast 30 %
Latentwärmespeicher in der Putzschicht (PCM)bis zu 70 %

Die Autoren schätzen, dass schon eine Verringerung der Betauungsdauer um rund 25 Prozent die meisten Bewuchsprobleme lösen dürfte. Infrarotreflektierende Farben senken die nächtliche Abstrahlung der Oberfläche. Bei älteren Produkten trat nach einiger Zeit ein silbriger Schimmer auf, neuere Systeme zeigen ihn laut IBP deutlich schwächer oder gar nicht.

Ohne neuen Anstrich wirken die baulichen Hebel, die das Umweltbundesamt nennt:

  • Dachrinnen und Fallrohre frei halten, damit kein Wasser über die Fassade läuft
  • Tropfkanten an Fensterbänken prüfen und nachrüsten, wo das Wasser an der Wand herunterläuft
  • Sträucher und Bäume in Fassadennähe zurückschneiden, damit die Wand abtrocknen kann
  • Spritzwasser am Sockel vermeiden, etwa durch einen Kiesstreifen statt Erde oder Rasen direkt an der Wand
  • Regelmäßig nachsehen und ersten Belag früh abwaschen

Steht ohnehin ein Neuanstrich an, empfiehlt das Umweltbundesamt Systeme ohne zusätzliche Biozide, etwa WDVS mit dem Umweltzeichen Blauer Engel (DE-UZ 140). Rät ein Fachmann wegen der Lage doch zu biozidem Schutz, sind Produkte mit verkapselten Wirkstoffen die bessere Wahl, weil sie langsamer ausgewaschen werden.

Fazit: sanft reinigen, Feuchte bremsen

Algen an der gedämmten Fassade sind die sichtbare Folge nächtlichen Tauwassers auf einer Oberfläche ohne Wärmespeicher. Sie schaden der Dämmung nicht und lassen sich mit Wasser, weicher Bürste und Gartenschlauch entfernen, wenn du früh dran bist. Hochdruck und Chlor bringen am WDVS mehr Risiko als Nutzen.

Für eine Fassade, die länger sauber bleibt, zählt danach jede Stunde, die sie früher abtrocknet: freie Rinnen, funktionierende Tropfkanten, Luft zwischen Hecke und Wand. Steht ein Neuanstrich an, lohnt die Frage nach Dickputz oder einer infrarotreflektierenden Farbe, die nach den Messungen des Fraunhofer IBP genau an der Ursache ansetzt.

Häufige Fragen

Warum bekommen gedämmte Fassaden so oft Algen?

Weil die dünne Putzschicht auf der Dämmung kaum Wärme speichert. Nachts strahlt die Oberfläche Wärme ab, kühlt unter die Lufttemperatur und unterschreitet den Taupunkt, dann schlägt sich Tauwasser nieder. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik hat gemessen, dass eine Wand mit Wärmedämmverbundsystem die Taupunkttemperatur deutlich länger unterschreitet als eine massive Wand. Die kritischen Zeiträume sind Herbst und Frühling.

Darf man ein WDVS mit dem Hochdruckreiniger reinigen?

Davon ist abzuraten. Der Strahl kann Wasser über feine Risse in die Armierungsschicht drücken, und bei biozidhaltigen Putzen und Farben warnt das Umweltbundesamt, dass ein Hochdruckreiniger die Auswaschung der Wirkstoffe verstärkt und die Schutzwirkung zerstört. Schonender sind Wasser, weiche Bürste und ein Nachspülen mit dem Gartenschlauch oder ein Fachbetrieb mit Niederdruckverfahren.

Schaden Algen der Dämmung?

Nach Einschätzung des Umweltbundesamts beeinträchtigen Algen und Pilze auf der Fassade die bauphysikalische Funktion nicht. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik bewertet den Bewuchs als optische Beeinträchtigung. Der Belag zeigt aber an, dass die Oberfläche lange feucht bleibt, und an solchen Stellen lohnt ein Blick auf Risse, Anschlüsse und die Wasserführung.

Welches Mittel hilft gegen Algen an der WDVS-Fassade?

Zuerst Wasser und eine weiche Bürste, denn frischer Bewuchs lässt sich laut Umweltbundesamt nass abwaschen oder abbürsten. Reicht das nicht, kommt ein zugelassener Algenentferner in Frage, erkennbar an einer Zulassungsnummer (DE-…) oder Registriernummer (N- plus fünf Ziffern), am besten mit Freigabe des Systemherstellers. Chlor ist auf WDVS mit Kunstharz- oder Silikonharzputz besonders riskant.

Wann ist die beste Zeit, um Algen von der Fassade zu entfernen?

Ein trockener, bedeckter Tag im späten Frühjahr oder Sommer mit Temperaturen über etwa 10 Grad. Die Fläche trocknet dann zügig ab, und ein Reinigungsmittel brennt nicht in der Sonne an. Herbst und Frühling sind laut Fraunhofer IBP die Hauptwachstumszeiten, wer vor dem Herbst reinigt, nimmt den Algen den Startvorteil.

Hilft ein neuer Anstrich gegen Algen auf dem WDVS?

Er kann helfen, wenn er die Tauwasserbildung verringert. Das Fraunhofer IBP hat für wetterresistente, infrarotreflektierende Anstriche eine Verringerung der Taupunktunterschreitung um fast 30 Prozent ermittelt, für einen dickeren Außenputz mit mehr Wärmespeicher bis zu 20 Prozent. Vor jedem Neuanstrich muss der vorhandene Bewuchs vollständig entfernt sein.

Warum ist nur die Nordseite grün?

Nord- und Westseiten trocknen langsamer ab und tauen nachts länger. Das Fraunhofer IBP hat für Süd- und Ostseiten rund 20 Prozent kürzere Betauungszeiten berechnet, und in der Praxis zeigen sich die meisten Probleme auf West- und Nordseiten. Beschattung durch Bäume oder Nachbargebäude verstärkt den Effekt.

Das könnte dich auch interessieren