Schnee von Solaranlage entfernen: Lohnt sich das Räumen?

Schnee von der Solaranlage entfernen? Dezember und Januar bringen nur 5 bis 9 % des Jahresertrags. Was Schnee wiegt, was Module tragen und wie du sicher räumst.

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In diesem Artikel
  1. Wie viel Ertrag der Schnee wirklich kostet
  2. Warum der Schnee meist von selbst abrutscht
  3. Was Schnee wiegt und was Module tragen
  4. Die Risiken beim Räumen
  5. So räumst du sicher, wenn es sein muss
  6. Warmes Wasser, Salz, Eiskratzer: was schadet
  7. Balkonkraftwerk, Fassade, Flachdach: die Sonderfälle
  8. Fazit: Abwarten ist die beste Räumstrategie
  9. Häufige Fragen

Wie viel Ertrag der Schnee wirklich kostet

Die Frage nach dem Räumen ist im Kern eine Rechenfrage: Wie viel Strom liegt unter dem Schnee? Die Antwort liefert der Jahresverlauf. Nach dem Photovoltaik-Rechner PVGIS der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission erzeugt eine nach Süden ausgerichtete Anlage mit 35 Grad Neigung in Kassel im Mittel der Jahre 2005 bis 2023 rund 1.013 kWh je kWp im Jahr. Davon entfallen auf Dezember nur 26 kWh und auf Januar 31 kWh.

Säulendiagramm mit dem monatlichen Ertrag einer Photovoltaikanlage in Kassel nach PVGIS, Südausrichtung, 35 Grad Neigung, Mittel 2005 bis 2023, in kWh je kWp: Januar 31, Februar 51, März 91, April 118, Mai 126, Juni 126, Juli 125, August 117, September 99, Oktober 68, November 35, Dezember 26. Die Monate November bis Februar sind als typische Schneemonate hervorgehoben und liefern zusammen rund 14 Prozent des Jahresertrags, Dezember und Januar allein rund 5,6 Prozent.
Die Schneemonate tragen wenig zum Jahresertrag bei: Dezember und Januar zusammen bringen in Kassel rund 5,6 Prozent.
Standort (PVGIS)JahresertragDezemberJanuarAnteil Dez. + Jan.
Hamburg987 kWh/kWp23 kWh/kWp27 kWh/kWp5,1 %
Kassel1.013 kWh/kWp26 kWh/kWp31 kWh/kWp5,6 %
München1.139 kWh/kWp47 kWh/kWp50 kWh/kWp8,6 %

Alle Werte gelten für Südausrichtung, 35 Grad Neigung und 14 Prozent Systemverluste, die Standardeinstellung von PVGIS. Im Süden liegt der Winteranteil höher, weil dort mehr Wintersonne durch die Wolken kommt.

Die Beispielrechnung für eine Woche Schnee

Eine 10-kWp-Anlage in Kassel erzeugt im Januar im Mittel rund 10 kWh am Tag. Bleibt sie eine ganze Woche vollständig unter Schnee, fehlen also höchstens rund 70 kWh.

  • Bei einem Strompreis von rund 35 Cent, den du für selbst verbrauchten Solarstrom nicht bezahlen musst, entspricht das etwa 25 Euro.
  • Bei einer Einspeisevergütung von rund 8 Cent sind es etwa 5,50 Euro.

Zum Vergleich: An einem durchschnittlichen Junitag erzeugt dieselbe Anlage rund 42 kWh. Die verschneite Januarwoche entspricht damit etwas weniger als zwei Sommertagen. Dazu kommt, dass die PVGIS-Werte einen Mittelwert über helle und trübe Tage bilden. Schneetage sind meist trübe Tage, der echte Verlust liegt deshalb unter der Rechnung.

Warum der Schnee meist von selbst abrutscht

Modulglas ist glatt, und das hilft dem Schnee beim Abgang. Sobald etwas Licht durch die Schneedecke dringt, erwärmen sich die Zellen leicht. An der Glasoberfläche bildet sich ein dünner Wasserfilm, auf dem die Schneedecke als Ganzes abgleitet. Ab einer Neigung von etwa 20 bis 35 Grad passiert das in der Regel nach einigen hellen Stunden, je steiler die Fläche, desto früher.

Eine lockere Schneeschicht von wenigen Zentimetern lässt zudem noch etwas Licht durch, die Anlage produziert dann auf kleiner Stufe weiter. Ganz still steht sie erst unter einer dichten oder vereisten Decke.

Länger liegen bleibt der Schnee in diesen Fällen:

  • flach aufgeständerte Anlagen auf Flachdächern und Carports mit 10 bis 15 Grad Neigung
  • Module mit hohem Rahmen an der Unterkante, an dem sich der Schnee staut
  • Anlagen auf der Nordseite oder im Schatten, die sich kaum erwärmen
  • Dauerfrost ohne Sonne, bei dem der Schnee zu einer harschen Schicht zusammenfriert

Was Schnee wiegt und was Module tragen

Neben dem Ertrag treibt viele Besitzer die Sorge um, die Module könnten unter dem Gewicht brechen. Ein Blick auf die Zahlen beruhigt in den meisten Lagen:

SchneeartGewicht je 10 cm Höhe
Pulverschneeca. 10 kg/m²
nasser Schneeca. 40 kg/m²
gefrorener Schnee, Eisüber 90 kg/m²
Prüflast der Module nach IEC 61215240 bis 540 kg/m² (2.400 bis 5.400 Pa)

Die Schneewerte stammen aus einer Auswertung des Fachportals Solarserver, die Prüflasten aus der Modulnorm IEC 61215. Selbst ein halber Meter Nassschnee liegt damit noch unter der niedrigeren Prüfstufe, viele Module sind für 5.400 Pa ausgelegt.

Einen Haken hat die Norm allerdings. Der Sachverständige Christian Keilholz wies gegenüber Solarserver darauf hin, dass die Prüflast senkrecht auf das Modul wirkt. Auf dem geneigten Dach drückt der Schnee aber auch schräg nach unten gegen den unteren Rahmen. Diese Schubkraft kann Rahmen verformen und im Extremfall Glas und Laminat aus dem Rahmen drücken. Gefährdet sind vor allem Anlagen in schneereichen Lagen mit langen, schweren Schneedecken. Wer dort wohnt, lässt nach einem harten Winter Module und Unterkonstruktion von einem Fachbetrieb prüfen.

Die Risiken beim Räumen

Die meisten Winterschäden an Solaranlagen entstehen durch Räumversuche, der Schnee selbst richtet in den üblichen Lagen wenig an. Drei Risiken stehen im Vordergrund:

Kratzer und Mikrorisse. Glas und Antireflexschicht der Module sind hart, gegen Metall und gefrorene Splitter bleiben sie trotzdem kratzempfindlich. Ein Eiskratzer hinterlässt Spuren, die das Licht dauerhaft streuen. Wer auf ein Modul tritt oder sich darauf abstützt, erzeugt punktuelle Last, die im Zellverbund feine Risse auslöst. Diese Mikrorisse sind von außen unsichtbar und kosten über Jahre Ertrag. Darauf geht auch der Ratgeber Photovoltaikanlage reinigen ein, der die Pflege der Module übers Jahr beschreibt.

Absturz. Ein verschneites Dach mit glatten Glasflächen ist eine der gefährlichsten Arbeitsstellen am Haus. Ohne Absturzsicherung gehört dort niemand hin, schon gar nicht für einen Ertrag von ein paar Euro.

Dachlawinen. Gerät die Schneedecke ins Rutschen, kommt sie als Ganzes herunter. Unter der Traufe liegen Wege, Eingänge und Stellplätze. Wer Schnee herunterzieht, sperrt den Bereich darunter vorher ab.

So räumst du sicher, wenn es sein muss

Es gibt Fälle, in denen Räumen trotzdem sinnvoll ist: eine flache Anlage auf dem Carport, die wochenlang unter Schnee liegt, oder eine sehr schwere Nassschneedecke in schneereicher Lage. Dann gilt:

  1. Vom Boden aus arbeiten. Eine Teleskopstange reicht bei Carports, Garagen und niedrigen Dächern. Höher gelegene Dächer bleiben Sache von Fachbetrieben mit Sicherung.
  2. Weiches Werkzeug. Ein Schneeschieber oder Abzieher mit Schaumstoff- oder Gummikante, wie ihn der Fachhandel speziell für Solarmodule anbietet. Metall und harte Borsten bleiben im Schuppen.
  3. In kleinen Portionen ziehen. Den Schnee von der Unterkante her in Streifen nach unten ziehen. Kein Druck auf das Glas, die Kante gleitet nur über die Fläche.
  4. Eine dünne Schicht stehen lassen. Der letzte Zentimeter auf dem Glas rutscht nach wenigen hellen Stunden von selbst. Wer ihn abschabt, riskiert Kratzer.
  5. Bereich darunter freihalten. Personen, Fahrzeuge und Pflanzen aus der Fallzone fernhalten.

Warmes Wasser, Salz, Eiskratzer: was schadet

Im Netz kursieren Tipps, die mehr schaden als nützen:

MethodeProblem
warmes WasserTemperaturspannung im Glas, Schmelzwasser friert an Unterkante und Rinne wieder an
Streusalz, Enteisergreift Aluminiumrahmen, Dichtungen und Unterkonstruktion an
HochdruckreinigerWasser unter Druck an Dichtungen und Steckern, dazu Eis auf dem Dach
Eiskratzer, MetallschaufelKratzer in Glas und Antireflexschicht
Besen mit harten Borstenfeine Kratzer, Splitter wirken wie Schleifmittel

Für Solarthermie-Kollektoren gelten dieselben Grundsätze. Ihr Glas ist ebenso empfindlich gegen Kratzer und Temperaturschock.

Balkonkraftwerk, Fassade, Flachdach: die Sonderfälle

Balkonkraftwerke sind der dankbarste Fall. Module am Geländer oder an der Hauswand liegen in Griffweite, ein weicher Handbesen oder Abzieher genügt. Senkrecht montierte Module halten ohnehin kaum Schnee. Bei schräg aufgestellten Modulen im Garten reicht ebenfalls der Handbesen.

Fassadenmodule bleiben praktisch schneefrei. Sie fangen bei tiefstehender Wintersonne sogar vergleichsweise viel Licht ein, weil die Sonne im Winter flach auf die Wand trifft.

Flachdachanlagen mit flacher Aufständerung halten den Schnee am längsten, und dort weht er zusätzlich in die Zwischenräume der Modulreihen. Bei hoher Schneelast geht es hier eher um die Statik des Daches als um den Ertrag. Diese Frage beantwortet ein Statiker oder Dachdecker, das Räumen übernimmt ein Fachbetrieb mit Absturzsicherung.

Fazit: Abwarten ist die beste Räumstrategie

Schnee auf der Solaranlage kostet weniger, als es aussieht. Dezember und Januar liefern zusammen nur 5 bis 9 Prozent des Jahresertrags, eine verschneite Woche entspricht weniger als zwei Sommertagen, und auf geneigten Dächern rutscht die Decke nach einigen hellen Stunden von selbst ab. Die Module selbst sind für 240 bis 540 kg/m² geprüft.

Räumen lohnt nur dort, wo du vom Boden aus gefahrlos herankommst: am Carport, an der Garage, am Balkonkraftwerk. Dann mit weichem Abzieher, in kleinen Portionen und mit einer dünnen Restschicht. Aufs Dach steigst du für den Schnee auf den Modulen nicht.

Häufige Fragen

Muss man Schnee von der Solaranlage entfernen?

In aller Regel nicht. Auf geneigten Dächern rutscht der Schnee ab, sobald die Module etwas Licht bekommen und sich erwärmen. Der Ertrag im Winter ist ohnehin klein: Nach den Strahlungsdaten der EU-Datenbank PVGIS liefern Dezember und Januar zusammen rund 5 bis 9 Prozent des Jahresertrags. Das Risiko, beim Räumen Glas, Rahmen oder sich selbst zu beschädigen, wiegt schwerer.

Wie viel Ertrag kostet Schnee auf den Modulen?

Wenig. Eine 10-kWp-Anlage in Mitteldeutschland erzeugt im Januar laut PVGIS im Mittel rund 10 kWh am Tag. Liegt eine ganze Woche Schnee auf den Modulen, fehlen damit höchstens rund 70 kWh. Je nach Strompreis oder Einspeisevergütung sind das etwa 5 bis 25 Euro, und weil Schneetage meist trüb sind, fällt der tatsächliche Verlust geringer aus.

Wie viel Schnee hält ein Solarmodul aus?

Solarmodule werden nach IEC 61215 mit Lasten zwischen 2.400 und 5.400 Pascal geprüft, das entspricht rund 240 bis 540 Kilogramm pro Quadratmeter. Zum Vergleich: 10 Zentimeter Pulverschnee wiegen etwa 10 Kilogramm pro Quadratmeter, nasser Schnee rund 40, gefrorener Schnee über 90. Kritischer als die Fläche ist der Druck, den rutschender Schnee auf den unteren Rahmen ausübt.

Womit kann ich Schnee von Solarmodulen entfernen?

Mit einem weichen Schneeschieber oder Abzieher aus Schaumstoff oder Gummi an einer Teleskopstange, bedient vom Boden aus. Den Schnee in kleinen Portionen nach unten ziehen und eine dünne Schicht auf dem Glas lassen, die rutscht dann von selbst ab. Tabu sind Metallschieber, Eiskratzer, harte Besen und jedes Betreten der Module.

Darf man warmes Wasser auf Solarmodule gießen, um Schnee zu tauen?

Davon ist abzuraten. Warmes Wasser auf kaltem Glas erzeugt Spannungen zwischen Glasoberfläche und Zellverbund, ähnlich wie kaltes Wasser auf sonnenwarmen Modulen. Dazu friert das Schmelzwasser an der Unterkante und in der Rinne schnell wieder fest. Auch Streusalz und Enteiser haben auf Modulen nichts verloren, weil sie Rahmen, Dichtungen und Unterkonstruktion angreifen können.

Ab welcher Dachneigung rutscht Schnee von der Solaranlage?

Auf glattem Modulglas rutscht Schnee ab einer Neigung von etwa 20 bis 35 Grad meist von selbst ab, sobald die Module sich leicht erwärmen. Je steiler die Fläche, desto schneller. Flach aufgeständerte Anlagen auf Flachdächern und Carports halten den Schnee deutlich länger.

Kann ich Schnee vom Balkonkraftwerk entfernen?

Ja, das ist der einfachste Fall. Module am Balkongeländer oder an der Wand erreichst du gefahrlos, ein weicher Handbesen oder ein Schaumstoffabzieher genügt. Senkrecht montierte Module halten ohnehin kaum Schnee. Auch hier gilt: kein Eiskratzer und kein heißes Wasser auf das Glas.

Zahlt die Versicherung Schäden durch Schneeräumen?

Das hängt am Vertrag. Schneedruck ist bei Photovoltaik-Versicherungen meist mitversichert, in der Wohngebäudeversicherung häufig erst mit Elementarschadenschutz. Kratzer und Brüche, die beim eigenen Räumen entstehen, gelten dagegen als selbst verursacht und sind häufig nicht abgedeckt. Vor einer Räumaktion lohnt der Blick in die Bedingungen.

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