Flechten von Pflastersteinen entfernen: Mittel und Anleitung

Flechten von Pflastersteinen entfernen: woran du sie von Moos unterscheidest, warum Hochdruck oft einen Schatten hinterlässt und welches Mittel zugelassen ist.

Anwendungen Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

In diesem Artikel
  1. Flechte, Moos oder Kaugummi: was da wirklich wächst
  2. Warum Flechten so fest sitzen
  3. Müssen die Flechten überhaupt weg?
  4. Die Rechtslage: Flechten sind der Fall für Biozide
  5. Methode 1: Biozid und Geduld
  6. Methode 2: mechanisch mit Bürste oder Hochdruck
  7. Was der Untergrund verträgt
  8. Warum Flechten ausgerechnet an sonnigen Stellen wachsen
  9. Fazit: Mittel mit Flechten auf dem Etikett, dann Geduld
  10. Häufige Fragen

Flechte, Moos oder Kaugummi: was da wirklich wächst

Auf Pflaster und Gehwegplatten tauchen drei Arten von Bewuchs auf, die gern in einen Topf geworfen werden. Für die Behandlung ist die Unterscheidung entscheidend.

Flechten sind flache, fest am Stein klebende Flecken. Die häufigste Art auf Pflaster, Waschbeton und Terrassenplatten ist die Mauer-Kuchenflechte. Das Bayerische Landesamt für Umwelt beschreibt sie als kreisrunde, grünlich-graue Rosetten auf Pflaster und Gartenterrassen. Laut Natur-Schule Grund erreicht sie bis zu zehn, maximal zwanzig Zentimeter Durchmesser und hat einen etwa einen Millimeter breiten, lappigen Rand. Im Englischen heißt sie “chewing-gum lichen”, weil sie im trockenen, grauen Zustand an einen flach getretenen Kaugummi erinnert. Daneben kommen leuchtend gelbe Arten vor, etwa die Gelbflechte und der Schönfleck.

Moos bildet dagegen weiche, grüne Polster, die sich mit dem Finger eindrücken lassen, und sitzt vor allem in den Fugen. Wie du das angehst, steht im Ratgeber Moos zwischen Pflastersteinen entfernen.

Algen überziehen die Fläche als dünner, grüner Film, der bei Nässe glitschig wird.

Ein einfacher Test hilft bei grauen Flecken: Etwas Wasser darauf gießen. Eine Flechte wird innerhalb von Sekunden deutlich grünlicher, weil ihre Algenpartner sichtbar werden. Ein Kaugummirest bleibt, wie er ist, und lässt sich bei Wärme mit dem Spachtel eindrücken.

Warum Flechten so fest sitzen

Eine Flechte ist eine Lebensgemeinschaft aus einem Pilz und einer Alge oder einem Cyanobakterium. Der Pilz bildet das Gerüst und hält die Flechte fest, die Alge betreibt Photosynthese und versorgt beide. Diese Arbeitsteilung macht Flechten außergewöhnlich zäh: Sie überstehen Trockenheit und Hitze, indem sie einfach austrocknen und bei der nächsten Nässe weiterarbeiten.

Festhalten tut sich die Flechte mit ihren Pilzfäden. Laut LfU Bayern greifen Flechten Gestein bis auf wenige seltene Arten nicht oder nur in den obersten Millimetern an, um sich daran festzuhalten. Für den Stein ist das harmlos. Für das Entfernen heißt es: Das Lager klebt direkt auf der Oberfläche, und ein Teil der Flechte steckt im Stein.

Zwei schematische Querschnitte durch eine Pflasterplatte. Links liegt ein Moospolster auf einer dünnen Schmutzschicht, seine Haftfäden enden darin und das Polster lässt sich abheben. Rechts klebt ein flaches Flechtenlager direkt auf dem Stein, Pilzfäden reichen in die obersten Millimeter. Ein Wasserstrahl trägt das Lager ab, die Pilzfäden bleiben im Stein und hinterlassen einen Schatten.
Moos haftet in der Schmutzschicht und lässt sich abheben. Die Flechte ist in den obersten Millimetern des Steins verankert, deshalb bleibt nach dem Abstrahlen oft ein Umriss.

Dazu kommt das Tempo. Die Mauer-Kuchenflechte wächst laut Natur-Schule Grund nur 1 bis 3 Millimeter im Jahr. Eine Rosette von der Größe eines Bierdeckels hat also viele Jahre auf derselben Stelle gesessen. In dieser Zeit ist der Stein darunter abgedeckt geblieben, während die Umgebung verwitterte und Schmutz aufnahm. Genau das erklärt den Schatten, der nach dem Entfernen oft zurückbleibt.

Müssen die Flechten überhaupt weg?

Das LfU Bayern gibt eine klare Empfehlung: Flechten auf Pflaster und Mauern in Ruhe lassen. Die Begründung hat drei Teile.

  • Kein Schaden am Stein. Die Verankerung reicht nur in die obersten Millimeter.
  • Keine Rutschgefahr. Anders als der Algenfilm werden Flechten bei Nässe nicht glitschig.
  • Wertvoller Lebensraum. Viele Gesteinsflechten sind nach der Verbesserung der Luftqualität in den vergangenen Jahrzehnten in die Städte zurückgekehrt. Mauern und Pflaster ersetzen für sie die natürlichen Felsen, die in der Landschaft selten geworden sind.

Es gibt trotzdem gute Gründe, eine Fläche zu reinigen: Die Terrasse soll vor dem Verkauf des Hauses gepflegt aussehen, die Einfahrt wird neu versiegelt, oder die Flecken stören schlicht. Dann ist die Frage, wie es ohne Schaden am Stein geht.

Die Rechtslage: Flechten sind der Fall für Biozide

Hier unterscheiden sich Flechten grundlegend von Moos. Moos und Unkraut sind Pflanzen. Mittel gegen sie sind Pflanzenschutzmittel, und § 12 Absatz 2 Pflanzenschutzgesetz verbietet deren Anwendung auf befestigten Flächen mit einem Bußgeldrahmen bis 50.000 Euro.

Flechten und Algen fallen dagegen unter das Biozidrecht. Gegen sie sind Grünbelagentferner als Biozidprodukte vorgesehen. Entscheidend ist die Zweckbestimmung auf dem Etikett: Dort muss stehen, gegen welche Organismen das Mittel eingesetzt werden darf. Längst nicht jeder Grünbelagentferner nennt Flechten. Mellerud etwa schreibt zu seinem Algen & Grünbelag Entferner, dass er bei regelmäßiger Anwendung der Flechtenbildung vorbeugt, und nennt bestehende Flechten nicht als Ziel.

Behördlich geprüfte Mittel erkennst du an der Zulassungsnummer im Format DE-0012345-00-0000-02, nicht geprüfte tragen nur eine Registriernummer. Welche Mittel welche Kennzeichnung haben, zeigt der Vergleich der Grünbelagentferner.

Ein Punkt bleibt auch bei erlaubtem Einsatz: Das Umweltbundesamt stuft die in diesen Mitteln verbreiteten Wirkstoffe als umweltgefährlich und sehr giftig für Wasserorganismen ein. Behandle deshalb nur die Stellen, auf denen die Flechten tatsächlich sitzen, und nie direkt vor Regen oder im Einzugsbereich eines Gullys.

Methode 1: Biozid und Geduld

Der Weg, der die Flechte samt Pilzfäden erwischt, führt über ein Mittel mit Flechten als Zielorganismus. Unter den gängigen Produkten nennt Finalsan Wege- & FugenRein laut Neudorff ausdrücklich Grünalgen, Goldalgen und Flechten als Ziel. Der Wirkstoff ist Nonansäure, eine Fettsäure, mit 207,3 Gramm je Liter.

Neudorff Finalsan Wege- & FugenRein
Neudorff Finalsan Wege- & FugenRein Anwendungsfertig, 207,3 g/l Nonansäure, Zulassung DE-0013147-01-0001-02 ab 14,99 €

So läuft die Behandlung nach den Herstellerangaben ab:

  1. Wetter wählen. Neudorff empfiehlt mindestens 10 °C, kein Regen, keine gefrorene Fläche. Ideal ist ein trockener Tag mit trockener Vorhersage für die nächsten Tage.
  2. Fläche trocken abkehren. Loser Schmutz und Laub kommen vorher weg, damit das Mittel auf die Flechte trifft.
  3. Gezielt auftragen. Neudorff nennt 100 Milliliter Spritzlösung oder 200 Milliliter Gießlösung je Quadratmeter. Auf Pflaster mit einzelnen Flecken genügt es, die Rosetten selbst zu benetzen.
  4. Einwirken lassen. Laut Hersteller wirkt das Mittel sichtbar nach 3 Stunden und soll mehrere Tage einwirken. Die Flechte verfärbt sich dabei und stirbt ab.
  5. Nach einigen Wochen abbürsten. Abgestorbene Lager lockern sich mit der Zeit. Eine Wurzelbürste oder ein harter Besen nimmt die Reste dann ohne Kraftaufwand mit.
  6. Bei Bedarf wiederholen. Dicke, alte Lager brauchen oft einen zweiten Durchgang. Neudorff erlaubt höchstens zwei Anwendungen pro Jahr.

Die Methode ist langsam, und genau darin liegt ihr Vorteil: Sie erreicht die Pilzfäden im Stein, ohne die Oberfläche aufzurauen.

Methode 2: mechanisch mit Bürste oder Hochdruck

Wer ganz ohne Mittel arbeiten will, hat zwei Werkzeuge.

Wurzelbürste oder Drahtbürste. Junge, dünne Flechten lassen sich bei feuchtem Wetter oft mit einer harten Bürste abreiben. Das geht nur auf robusten Belägen wie Betonpflaster und Granit gut. Bei alten Rosetten ist es mühsam, und der Umriss bleibt sichtbar.

Hochdruckreiniger. Mit der Rotordüse oder einem Flächenreiniger trägt der Strahl das Lager ab. Die Pilzfäden in den obersten Millimetern erreicht er nur teilweise, deshalb bleibt häufig ein heller oder dunkler Umriss stehen, aus dem die Flechte mit den Jahren nachwachsen kann. Wer mehr Druck gibt oder mit der Düse näher herangeht, entfernt den Umriss selten, raut aber die Steinoberfläche auf. Eine raue Oberfläche nimmt schneller Schmutz auf und bietet dem nächsten Bewuchs mehr Halt. Welche Drücke für Betonpflaster und Platten üblich sind, steht im Ratgeber Pflastersteine mit dem Hochdruckreiniger reinigen.

Eine sinnvolle Kombination: erst das Biozid einwirken lassen, dann nach einigen Wochen die abgestorbenen Reste mit dem Hochdruckreiniger bei moderatem Druck von der ganzen Fläche spülen. So wird die Fläche gleichmäßig sauber, und kein einzelner Fleck sticht als frisch gereinigt heraus.

Was der Untergrund verträgt

BelagBiozidBürsteHochdruckWorauf achten
Betonpflasterjajaja, mit Flächenreinigerfarbige Vorsatzschicht nicht wegstrahlen
Waschbetonjanur weichvorsichtigKiesel können ausbrechen
Granit, Basaltjajajaunempfindlich
Sandsteinja, Etikett prüfennur weichnur wenig Druckweiche Kornbindung
Kalkstein, Travertin, Marmornur säurefreie Mittelnur weichnur wenig DruckSäure hinterlässt Ätzflecken

Bei Natursteinen lohnt immer eine Probe an einer verdeckten Stelle. Wie weich Sandstein wirklich ist und welche Mittel auf kalkhaltigen Steinen Schaden anrichten, steht im Ratgeber Grünbelag auf Naturstein entfernen. Für Betonplatten und Waschbeton gilt der Ratgeber Moos auf Beton entfernen.

Warum Flechten ausgerechnet an sonnigen Stellen wachsen

Wer Moos kennt, sucht Flechten im Schatten und findet sie oft in der Sonne. Das ist kein Zufall. Laut Natur-Schule Grund braucht die Mauer-Kuchenflechte Licht und Nährstoffe, gern aus der Landwirtschaft oder aus den Hinterlassenschaften von Vögeln, und sie ist unempfindlich gegen Trockenheit. Moos braucht dagegen vor allem Feuchtigkeit.

Daraus ergibt sich das typische Bild: Auf der sonnigen Terrasse unter dem Vogelhaus sitzen die grauen Rosetten, in den schattigen Fugen an der Hauswand das Moos. Vorbeugen lässt sich bei Flechten deshalb anders als bei Moos:

  • Vogelkot zeitnah entfernen, vor allem unter Futterstellen, Dachrinnen und Lieblingsplätzen auf Geländer oder Mauerkrone.
  • Düngereintrag vermeiden, etwa wenn Rasendünger beim Streuen auf die Terrasse fällt.
  • Regelmäßig kehren, damit sich keine Nährstoffschicht auf der Oberfläche halten kann.

Fazit: Mittel mit Flechten auf dem Etikett, dann Geduld

Flechten auf Pflastersteinen sind hartnäckig, weil sie in den obersten Millimetern des Steins verankert sind, und sie sind harmlos, weil sie genau dort bleiben. Wer sie trotzdem entfernen will, kommt mit einem Biozid, das Flechten ausdrücklich als Zielorganismus nennt, am saubersten ans Ziel. Nach einigen Wochen lassen sich die abgestorbenen Reste abbürsten oder mit moderatem Druck abspülen.

Der Hochdruckreiniger allein bringt schnell eine saubere Fläche und oft einen Umriss dazu. Mehr Druck ändert daran wenig und raut den Stein auf. Wer mit einzelnen, grauen Rosetten auf der Einfahrt leben kann, darf sie nach Einschätzung des LfU Bayern auch einfach stehen lassen. Wie Flechten auf dem Dach zu bewerten sind, steht im Ratgeber Moos und Flechten vom Dach entfernen.

Häufige Fragen

Wie bekomme ich Flechten von Pflastersteinen weg?

Am zuverlässigsten mit einem Biozidprodukt, das Flechten ausdrücklich als Zielorganismus nennt, und etwas Geduld. Das Mittel wird auf die trockene Fläche aufgetragen, tötet das Flechtenlager ab, und nach einigen Wochen lassen sich die gelockerten Reste abbürsten. Bei alten, dicken Lagern ist ein zweiter Durchgang üblich. Der Hochdruckreiniger trägt das Lager zwar ab, hinterlässt aber oft einen sichtbaren Umriss.

Was sind die grauen, runden Flecken auf meinem Pflaster?

Sehr wahrscheinlich die Mauer-Kuchenflechte. Sie bildet grünlich-graue, kreisrunde Rosetten und gehört zu den häufigsten Flechten im Siedlungsbereich. Im Englischen heißt sie Kaugummi-Flechte, weil sie trocken einem flach getretenen Kaugummi ähnelt. Wird die Stelle nass, färbt sie sich deutlich grünlicher, ein Kaugummi bleibt dagegen gleich.

Schaden Flechten den Pflastersteinen?

Kaum. Das Bayerische Landesamt für Umwelt schreibt, dass Flechten Gestein bis auf wenige seltene Arten nicht oder nur in den obersten Millimetern angreifen, um sich festzuhalten. Anders als Algen machen sie die Fläche bei Nässe auch nicht rutschig. Es geht beim Entfernen also fast immer um die Optik.

Darf ich gegen Flechten auf dem Pflaster ein Mittel einsetzen?

Ja, wenn es als Biozidprodukt gegen Flechten vorgesehen ist. Flechten fallen unter das Biozidrecht, Moos und Unkraut dagegen unter das Pflanzenschutzrecht, das Mittel auf befestigten Flächen verbietet. Auf dem Etikett muss Flechten als Zielorganismus stehen. Ein Beispiel ist Finalsan Wege- & FugenRein, das Neudorff gegen Grünalgen, Goldalgen und Flechten ausweist.

Warum bleibt nach dem Entfernen ein heller Fleck?

Weil die Flechte über Jahre auf genau dieser Stelle saß. Ihre Pilzfäden stecken in den obersten Millimetern des Steins, und der Stein darunter war abgedeckt, während die Umgebung verwitterte und verschmutzte. Der Umriss gleicht sich mit der Zeit an. Mehr Druck beschleunigt das nicht, er raut die Oberfläche nur zusätzlich auf.

Wie schnell wachsen Flechten nach?

Langsam. Die Mauer-Kuchenflechte wächst laut Natur-Schule Grund nur 1 bis 3 Millimeter im Jahr. Eine handtellergroße Rosette ist deshalb viele Jahre alt. Nach einer gründlichen Behandlung vergehen in der Regel Jahre, bis wieder auffällige Flecken entstehen.

Hilft Essig gegen Flechten auf dem Pflaster?

Davon ist abzuraten. Essig greift den Zementstein von Betonpflaster und kalkhaltige Natursteine an und raut sie auf, und die zulässige Essig-Anwendung auf befestigten Flächen gilt nur für die gezielte Behandlung einzelner Unkrautpflanzen. Gegen Flechten ist ein zugelassenes Biozid der sauberere und sicherere Weg.

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