Moos und Flechten vom Dach entfernen: Reihenfolge & Mittel

Moos und Flechten vom Dach entfernen: warum das Moos in der Überdeckung zuerst weg muss, Flechten oft bleiben dürfen und welches Mittel wofür erlaubt ist.

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In diesem Artikel
  1. Zwei Bewuchsarten, zwei Entscheidungen
  2. Warum das Moos an der Überdeckung stört
  3. Warum die Flechten meist bleiben dürfen
  4. Die Reihenfolge
  5. Mittel: gegen Flechten vorgesehen, gegen Moos ausgeschlossen
  6. Hochdruck: auf dem Dach die schlechteste Wahl gegen Flechten
  7. Sonderfälle nach Deckung
  8. Vorbeugen: Moos und Flechten haben verschiedene Hebel
  9. Fazit: Moos zuerst, Flechten zuletzt
  10. Häufige Fragen

Zwei Bewuchsarten, zwei Entscheidungen

Auf den meisten älteren Dächern wachsen Moos und Flechten nebeneinander, oft auf demselben Ziegel. Für die Frage, was zu tun ist, lohnt es sich, beide getrennt zu betrachten. Sie sitzen an verschiedenen Stellen, haften verschieden und fallen rechtlich in verschiedene Bereiche.

Moos bildet weiche, grüne Polster. Es wächst bevorzugt an den Kanten der Ziegel, also dort, wo der untere Rand eines Ziegels auf dem nächsten aufliegt, dazu im Ziegelfalz und an der Traufe. Dort sammeln sich Staub und Feuchtigkeit, und das Wasser bleibt am längsten stehen.

Flechten sind flache, krustige Flecken direkt auf der frei liegenden Ziegelfläche. Sie kommen in Grau, Grünlich-Grau und leuchtendem Gelb bis Orange vor. Das LfU Bayern nennt für Gebäude und Mauern unter anderem die Mauer-Kuchenflechte mit ihren grünlich-grauen Rosetten sowie Gelbflechte und Schönfleck als auffällig gelbe Arten.

Schematischer Seitenschnitt durch drei sich überlappende Dachziegel, die zur Dachrinne führen. Marker 1: Ein Moospolster sitzt an der Überdeckung, wo der untere Rand eines Ziegels auf dem nächsten aufliegt, ein Pfeil zeigt Wasser, das unter den oberen Ziegel zieht. Marker 2: Flache Flechtenflecken liegen auf den Sichtflächen der Ziegel. Marker 3: Abgelöste Moosbrocken liegen in der Dachrinne. Die Legende bewertet Moos und Rinne mit handeln, Flechten mit beobachten.
Moos sitzt an der Überdeckung und hält dort Wasser, seine Brocken landen in der Rinne. Flechten liegen dünn auf der Fläche und sind meist ein Fall zum Beobachten.

Warum das Moos an der Überdeckung stört

Ein Ziegeldach ist eine Schuppendeckung. Es hält Wasser ab, weil jeder Ziegel den darunterliegenden überlappt und die Neigung das Wasser nach unten führt. Die Überlappung ist die empfindliche Stelle dieses Prinzips.

Ein Moospolster genau an dieser Stelle wirkt wie ein Schwamm. Es saugt sich bei jedem Regen voll und gibt das Wasser nur langsam wieder ab. Ein Teil davon kann kapillar zurück in die Überdeckung ziehen, also unter den oberen Ziegel, wohin das Wasser bei einer sauberen Deckung nie käme. Die Unterspannbahn darunter ist nur als Notabdichtung ausgelegt. Hinzu kommt der Frost: Ein vollgesogenes Polster auf einem alten, saugfähigen Ziegel hält die Feuchtigkeit genau dort, wo Frost dann angreifen kann.

Der zweite Punkt liegt unten am Dach. Moospolster lösen sich mit der Zeit, bei Starkregen oder Sturm auch in großen Stücken, und landen in der Dachrinne. Dort verengen sie den Abfluss, und eine überlaufende Rinne schickt das Wasser über die Fassade nach unten.

Warum die Flechten meist bleiben dürfen

Für Flechten fällt die Bilanz ganz anders aus. Das LfU Bayern hält fest, dass Flechten Gestein bis auf wenige seltene Arten nicht oder nur in den obersten Millimetern angreifen, um sich festzuhalten. Sie sind bei Nässe nicht rutschig, und das Amt empfiehlt, sie in Ruhe zu lassen.

Auf dem Dach passt diese Einschätzung besonders gut. Flechten liegen dünn auf der frei liegenden Fläche, weit weg von der Überdeckung. Sie speichern kaum Wasser, und sie lösen sich nicht in Brocken, die die Rinne verstopfen könnten. Viele Gesteinsflechten sind laut LfU nach der Verbesserung der Luftqualität in die Städte zurückgekehrt. Ein Dach mit gelben und grauen Flecken zeigt also vor allem, dass es dort seit Jahren ruhig und sauber genug für diese langsam wachsenden Organismen ist.

Gute Gründe, Flechten trotzdem zu entfernen, gibt es: eine geplante Beschichtung, die einen sauberen Untergrund verlangt, oder ein Verkauf, bei dem das Dach gepflegt aussehen soll. Dann sind sie der letzte Schritt der Reihenfolge.

Die Reihenfolge

  1. Sicherheit klären. Was vom Boden oder von einer sicher stehenden Leiter aus erreichbar ist, ist Eigenleistung. Alles darüber verlangt Absturzsicherung und gehört in der Regel in die Hand eines Dachdeckers.
  2. Moos aus den Überdeckungen. Mit einer Kunststoffbürste mittlerer Härte, immer von oben nach unten, damit nichts unter die Ziegelkante geschoben wird. Werkzeug, Reichweite vom Boden und Arbeitsablauf stehen ausführlich im Ratgeber Moos vom Dach entfernen ohne Hochdruckreiniger.
  3. Rinne und Fallrohr frei machen. Was vom Dach kommt, landet hier. Erst eine frei laufende Rinne schließt die Arbeit ab.
  4. Deckung kontrollieren. Auf der freigelegten Fläche siehst du gebrochene oder verschobene Ziegel, die vorher unter dem Moos lagen.
  5. Optional: Flechten. Nur wenn es einen Grund dafür gibt, mit einem Biozid und dem nächsten Abschnitt.

Die Reihenfolge ist wichtig. Wer zuerst ein Mittel gegen Flechten auf das ganze Dach bringt und danach bürstet, arbeitet sich durch eine behandelte Fläche und spült Wirkstoff und Moos zugleich in die Rinne.

Mittel: gegen Flechten vorgesehen, gegen Moos ausgeschlossen

Moos ist botanisch eine Pflanze. Jedes Mittel, das gezielt gegen Pflanzen wirken soll, ist rechtlich ein Pflanzenschutzmittel, und § 12 Absatz 2 Pflanzenschutzgesetz verbietet deren Anwendung auf befestigten Freilandflächen ohne land-, forst- oder gärtnerische Nutzung. Eine Dachfläche erfüllt diese Beschreibung. Wie weit das reicht und welche Hausmittel auf dem Dach Schaden anrichten, steht im Ratgeber Moos vom Dach entfernen mit Chemie.

Für Flechten sieht das Recht einen anderen Weg vor: Gegen sie und gegen Algen sind Biozidprodukte vorgesehen. Entscheidend ist die Zweckbestimmung auf dem Etikett. Nicht jeder Grünbelagentferner nennt Flechten als Ziel. Mellerud schreibt zu seinem Algen & Grünbelag Entferner etwa, dass er bei regelmäßiger Anwendung der Flechtenbildung vorbeugt. Finalsan Wege- & FugenRein nennt dagegen laut Neudorff Grünalgen, Goldalgen und Flechten ausdrücklich als Zielorganismen und führt Dachziegel und Schiefer unter den geeigneten Flächen. Der Wirkstoff ist Nonansäure, eine Fettsäure, mit 207,3 Gramm je Liter.

Neudorff Finalsan Wege- & FugenRein
Neudorff Finalsan Wege- & FugenRein Anwendungsfertig, 207,3 g/l Nonansäure, Zulassung DE-0013147-01-0001-02 ab 14,99 €

Bei der Anwendung auf dem Dach gelten die Herstellerangaben plus drei Punkte, die auf der Terrasse weniger ins Gewicht fallen:

  • Wetter. Neudorff nennt mindestens 10 °C, keinen Regen und keine gefrorene Fläche und lässt das Mittel mehrere Tage einwirken. Auf dem Dach heißt das: eine trockene Wetterlage über mehrere Tage abwarten.
  • Ablauf. Ein Dach entwässert gesammelt über wenige Punkte. Wer Regenwasser in einer Zisterne sammelt, trennt die Zuleitung vorher ab und leitet das erste Wasser nach der Behandlung ab.
  • Häufigkeit. Neudorff erlaubt höchstens zwei Anwendungen pro Jahr. Abgestorbene Flechten lösen sich langsam, der Regen trägt sie über Wochen und Monate ab.

Das Umweltbundesamt stuft die in Grünbelagentfernern verbreiteten Wirkstoffe als umweltgefährlich und sehr giftig für Wasserorganismen ein. Auch deshalb lohnt die Frage, ob die Flechten wirklich weg müssen, bevor die Spritze gefüllt wird.

Hochdruck: auf dem Dach die schlechteste Wahl gegen Flechten

Beim Moos lässt sich über den Hochdruckreiniger noch diskutieren. Bei Flechten ist die Lage eindeutig. Weil sie in den obersten Millimetern verankert sind, trägt der Strahl sie erst bei einem Druck und einem Abstand ab, bei dem auch die Ziegeloberfläche leidet:

  • Engobe und Glasur bei Tonziegeln sind eingebrannte, dünne Schichten. Einmal angetragen, nimmt der Ziegel mehr Wasser auf und vermoost schneller.
  • Betondachsteine tragen eine Farbbeschichtung, die der Strahl abträgt. Darunter liegt rauer Zementstein, der Wasser und Schmutz besser hält als vorher.
  • Die Überdeckung bekommt Wasser von der falschen Seite, sobald der Strahl flach unter die Ziegelkante trifft.

Warum der Hochdruckreiniger auf dem Dach grundsätzlich heikel ist und in welchen Fällen er vertretbar sein kann, steht im Ratgeber Dach reinigen mit Hochdruckreiniger.

Sonderfälle nach Deckung

DeckungMoosFlechtenBesonderheit
Tonziegel, unbeschichtetbürstenmeist belassenrobust, aber saugfähig
Tonziegel mit Engobe oder Glasurbürsten, nur Kunststoffbelassen oder BiozidOberflächenschicht nicht erneuerbar
Betondachsteinbürstenbelassen oder BiozidFarbschicht empfindlich, Säure greift Zementstein an
Schiefervorsichtig bürstenmeist belassenPlatten spalten bei Punktlast
Faserzement vor 1993nicht abtragend bearbeitenbelassenmögliche Asbestbelastung
Bitumen, Dachpappeweicher BesenbelassenSplittbestreuung schützen

Für asbestverdächtigen Faserzement gilt ein eigenes Regelwerk, das jedes abtragende Verfahren ausschließt. Was dort erlaubt ist, steht im Ratgeber Eternitdach reinigen. Für Bitumenbahnen auf Garage und Gartenhaus gilt der Ratgeber Moos auf Dachpappe entfernen.

Vorbeugen: Moos und Flechten haben verschiedene Hebel

Weil beide Bewuchsarten verschiedene Dinge brauchen, wirken auch verschiedene Maßnahmen.

Gegen Moos zählt die Feuchtigkeit. Überhängende Äste zurückschneiden, Laub im Herbst aus Kehlen und Rinnen holen und den Ablauf frei halten. Eine metallische Vorbeugung ohne laufenden Mitteleinsatz beschreibt der Ratgeber Kupfer gegen Moos auf dem Dach.

Gegen Flechten zählen Licht und Nährstoffe. Die Mauer-Kuchenflechte etwa braucht laut Natur-Schule Grund Licht und Nährstoffe, gern aus Vogelkot. Flechten wachsen deshalb oft gerade auf den sonnigen Dachflächen, unter Lieblingsplätzen von Vögeln und in der Nähe von Äckern. Viel beeinflussen lässt sich das nicht, und bei einem Wachstum von wenigen Millimetern im Jahr ist das auch selten nötig.

Wer das Dach nach der Reinigung beschichten lassen will, findet Preise und die Einschätzung der Verbraucherschützer im Ratgeber Dachreinigung mit Versiegelung: Kosten.

Fazit: Moos zuerst, Flechten zuletzt

Auf einem Dach mit Moos und Flechten ergibt sich die Arbeit aus der Lage des Bewuchses. Das Moos in den Überdeckungen muss weg, weil es dort Wasser hält, und die Rinne gehört danach frei. Beides geht mechanisch, mit Kunststoffbürste und von oben nach unten.

Die Flechten auf der Fläche sind der letzte Schritt und oft ein entbehrlicher. Sie schaden der Deckung kaum und wachsen nur Millimeter im Jahr. Wer sie trotzdem entfernen will, nimmt ein Biozid, das Flechten auf dem Etikett nennt, und lässt dem Regen Zeit. Wie dasselbe Prinzip auf Terrasse und Einfahrt funktioniert, steht im Ratgeber Flechten von Pflastersteinen entfernen.

Häufige Fragen

Wie entferne ich Moos und Flechten vom Dach?

In zwei getrennten Schritten. Das Moos kommt mechanisch herunter, mit einer Kunststoffbürste von oben nach unten, vor allem aus den Überdeckungen der Ziegel. Danach wird die Rinne frei gemacht. Die Flechten sind ein eigener, optionaler Schritt: Wer sie loswerden will, behandelt sie mit einem Biozidprodukt, das Flechten als Zielorganismus nennt, und lässt den Regen die abgestorbenen Reste über Wochen abtragen.

Schaden Flechten dem Dach?

In aller Regel kaum. Laut Bayerischem Landesamt für Umwelt greifen Flechten Gestein bis auf wenige seltene Arten nicht oder nur in den obersten Millimetern an. Sie liegen flach auf der Ziegeloberfläche und stauen kein Wasser. Das LfU empfiehlt, Flechten auf Mauern und Pflaster in Ruhe zu lassen, und auf einer intakten Ziegelfläche spricht wenig gegen dieselbe Haltung.

Warum ist Moos auf dem Dach problematischer als Flechten?

Wegen seiner Lage und seiner Wasserspeicherung. Moos wächst bevorzugt dort, wo ein Ziegel auf dem nächsten aufliegt, und hält dort Wasser fest wie ein Schwamm. Dieses Wasser kann in die Überdeckung zurückziehen, und abgelöste Polster verstopfen Rinne und Fallrohr. Flechten liegen dagegen dünn auf der frei liegenden Fläche.

Darf ich ein Mittel gegen Moos auf dem Dach spritzen?

Gegen Moos nicht. Moos ist eine Pflanze, Mittel dagegen gelten als Pflanzenschutzmittel, und § 12 Absatz 2 Pflanzenschutzgesetz verbietet sie auf befestigten Flächen ohne gärtnerische Nutzung, wozu nach dem Wortlaut auch ein Dach zählt. Gegen Flechten und Algen sind dagegen Biozidprodukte vorgesehen. Entscheidend ist, welche Organismen auf dem Etikett als Ziel stehen.

Kann ich Flechten mit dem Hochdruckreiniger vom Dach holen?

Davon ist abzuraten. Flechten sitzen so fest, dass der Strahl sie erst bei einem Druck abträgt, der auch Engobe, Glasur oder die Farbschicht von Betondachsteinen angreift. Dazu kommt das Risiko, Wasser unter die Überdeckung zu drücken. Auf dem Dach ist Stehenlassen oder ein zugelassenes Biozid die bessere Wahl.

Wie erkenne ich Flechten auf dem Dach?

An flachen, fest haftenden Flecken in Grau, Grünlich-Grau oder leuchtendem Gelb bis Orange direkt auf der Ziegelfläche. Moos bildet dagegen weiche, grüne Polster, die bevorzugt an den Ziegelkanten und in den Überdeckungen sitzen. Eine Flechte lässt sich mit dem Finger nicht eindrücken und bei Trockenheit nicht abheben.

Was ist bei alten Faserzement-Dächern zu beachten?

Dächer aus Faserzement, die vor 1993 gedeckt wurden, können Asbest enthalten. Dort ist jedes abtragende Verfahren ausgeschlossen, also Bürsten mit Druck, Schaben und Hochdruck. Flechten und Moos bleiben auf einem solchen Dach im Zweifel, wo sie sind, oder die Arbeit geht an einen Fachbetrieb mit Sachkunde für Asbest.

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