Fassade streichen ohne Reinigung: Wann reicht Abbürsten?

Fassade streichen ohne Reinigung? Wischprobe, Kratzprobe und Klebebandtest zeigen, wann Abbürsten reicht und wann die Wand vorher gewaschen werden muss.

Anwendungen Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

In diesem Artikel
  1. Warum Farbe auf Schmutz nicht hält
  2. Wann Streichen ohne Nassreinigung reicht
  3. Die vier Proben vor dem Streichen
  4. Algen und Pilze: vor dem Anstrich beseitigen
  5. Reinigen vor dem Streichen: welche Methode für welche Wand
  6. Wie lange nach der Reinigung warten?
  7. Reinigen oder neu streichen: was die Fassade wirklich braucht
  8. Wetter und Temperatur beim Streichen
  9. Fazit: Abbürsten reicht nur auf sauberer Wand
  10. Häufige Fragen

Gerüst steht, Farbe ist gekauft, und die Fassade sieht eigentlich nur etwas grau aus. Da liegt die Frage nahe, ob man sich das Waschen sparen kann. Manchmal geht das tatsächlich, und mit vier einfachen Proben findest du ohne Spezialwerkzeug heraus, ob deine Wand dazugehört. In den meisten anderen Fällen ist die Reinigung der Teil der Arbeit, der darüber entscheidet, ob der neue Anstrich viele Jahre hält oder nach wenigen Wintern blättert.

Warum Farbe auf Schmutz nicht hält

Fassadenfarbe verbindet sich mit dem, was sie beim Auftragen berührt. Ist das der feste Altanstrich oder der Putz, entsteht eine stabile Schicht. Ist es ein Staubfilm, eine kreidende Pulverschicht oder ein Algenbelag, verbindet sie sich mit genau dieser losen Schicht. Diese Zwischenschicht nennen Maler trennende Substanz.

Was dann passiert, zeigt sich zeitversetzt. Der neue Anstrich sieht frisch zunächst einwandfrei aus. Mit den ersten Frost-Tau-Wechseln und Regenphasen arbeitet die Wand, und die schwächste Stelle im Schichtaufbau gibt nach. Das ist die Schmutzschicht. Die neue Farbe löst sich dann in Blasen oder Schollen und nimmt den Schmutz mit.

Deshalb steht in fast jedem Technischen Merkblatt für Fassadenfarben derselbe Satz. Caparol schreibt für seine Siliconharzfarbe AmphiSilan: Die Untergründe müssen frei von Verschmutzungen, trennenden Substanzen und trocken sein, die VOB Teil C, DIN 18363, Abschnitt 3 ist zu beachten. Malerbetriebe richten ihre Vorbereitung genau danach aus, und für den eigenen Anstrich gilt dasselbe.

Schematische Grafik in zwei Teilen. Oben zwei Querschnitte durch eine Putzwand mit Altanstrich. Links ohne Reinigung: Zwischen Altanstrich und neuer Farbe liegt eine Trennschicht aus Staub, Kreide und Algen. Die neue Farbe haftet nur auf dieser Schicht und hebt sich mit Blasen und abblätternden Schollen ab. Rechts nach Reinigung: Die neue Farbe liegt direkt auf dem festen Altanstrich, verzahnt mit ihm und haftet. Unten ein Ablauf in fünf Schritten: prüfen mit Wisch-, Kratz-, Klebeband- und Benetzungsprobe, reinigen trocken oder nass, bei intakten Wärmedämm-Verbundsystemen höchstens 60 bar und 60 Grad laut Caparol, durchtrocknen lassen, bei Algen mit Biozid vorbehandeln und trocknen lassen, streichen bei 5 bis 30 Grad, nach 12 Stunden überstreichbar.
Die neue Farbe hält nur so fest wie die Schicht, auf der sie liegt. Ein Schmutzfilm wird zur Sollbruchstelle.

Wann Streichen ohne Nassreinigung reicht

Es gibt Fälle, in denen eine Wäsche überflüssig ist. Gemeinsam ist ihnen, dass auf der Wand nur lose aufliegender Staub sitzt, den ein Besen vollständig mitnimmt.

  • Neuer Putz nach der Standzeit. Caparol nennt für neue Putze in der Regel 2 Wochen bei etwa 20 °C und 65 Prozent Luftfeuchte, bei Wind oder Regen deutlich länger. In dieser Zeit sammelt sich kaum festsitzender Schmutz, Abkehren genügt.
  • Fester, sauberer Altanstrich auf der Wetterseite. Regen spült manche Fassadenseiten so regelmäßig ab, dass nur Spinnweben und loser Staub in Ecken und unter Fensterbänken sitzen.
  • Kleine Ausbesserungen. Wird nur eine Fläche nachgestrichen, die gerade geprüft und abgebürstet wurde, braucht es keine Wäsche der ganzen Fassade.

Auch in diesen Fällen gehört die Vorbereitung dazu: Die Wand von oben nach unten mit einem weichen Besen oder einer Bürste abkehren, Spinnweben unter Fensterbänken und Dachüberstand entfernen, die Proben aus dem nächsten Abschnitt machen. Bestehen alle vier, kannst du ohne Nassreinigung grundieren und streichen.

Die vier Proben vor dem Streichen

Maler prüfen den Untergrund nach dem BFS-Merkblatt Nr. 20 des Bundesausschusses Farbe und Sachwertschutz. Die vier wichtigsten Proben schaffst du ohne Spezialwerkzeug.

ProbeSo geht esBefundFolge
Wischprobemit der flachen, trockenen Hand oder einem dunklen Tuch kräftig über die Wand streichenFarbpigment an Hand oder Tuch: Altanstrich kreidetreinigen, mit Putzfestiger grundieren
Kratzprobemit Schraubendreher oder Messer kräftig über die Fläche ziehenMaterial sandet, bröselt oder löst sich: nicht tragfähiglose Teile entfernen, festigen
Klebeband-AbrissprobeGitter in den Anstrich ritzen, kräftiges Klebeband andrücken, ruckartig abreißenFarbe am Band: Altanstrich haftet nichtAltanstrich entfernen
BenetzungsprobeWasser mit Sprühflasche oder Schwamm auftragendunkelt sofort: stark saugend · perlt ab: wasserabweisendTiefgrund · anrauen, Haftgrund

Mache die Proben an mehreren Stellen: an der Wetterseite, an der Nordseite, unter dem Dachüberstand und im Spritzwasserbereich am Sockel. Die Wand verhält sich selten überall gleich. Herbol rät in seinem Leitfaden zur Untergrundanalyse, Prüfstellen vorher zu säubern und an markanten Stellen zu prüfen, ausdrücklich nicht unter der Fensterbank.

Eine fünfte Probe lohnt sich bei älteren Häusern: das Abklopfen. Mit einem Hammerstiel oder den Knöcheln über den Putz klopfen. Klingt es hohl, hat sich der Putz vom Mauerwerk gelöst. Solche Stellen müssen ausgebessert werden, bevor Farbe darauf kommt.

Was die Befunde für die Grundierung bedeuten, beschreibt Caparol im Merkblatt zu AmphiSilan: Kreidende oder mehlende Altanstriche bekommen einen Grundanstrich mit Putzfestiger, stark saugende einen Tiefgrund, glänzende und wasserabweisende Oberflächen werden mechanisch angeraut und mit Haftgrund vorbehandelt.

Algen und Pilze: vor dem Anstrich beseitigen

Grüne Schleier auf der Nordseite, schwarze Punkte unter der Fensterbank, rote Flecken am Sockel: Biologischer Befall ist ein sehr häufiger Grund, warum eine Fassade grau oder fleckig aussieht. Herbol beschreibt Algen als wurzellose Organismen, die auf der Oberfläche haften, und Schwärzepilze als Mikroorganismen, die sich über unzählige Sporen verbreiten.

Wer darüber streicht, deckt den Befall nur zu. Die Sporen sitzen weiter in Putz und Poren, und mit der nächsten feuchten Saison zeichnen sich die Flecken durch die neue Farbe hindurch ab. Der Ablauf, den Hersteller für befallene Flächen vorgeben:

  1. Sichtbaren Befall entfernen. Mit Bürste, Wasser und Reiniger oder schonend mit dem Hochdruckreiniger.
  2. Mit Biozid vorbehandeln. Caparol beschreibt für Capatox eine wässrige Biozidlösung, die unverdünnt auf die gereinigte und trockene Fläche aufgetragen und mit einer Bürste eingearbeitet wird, bei 50 bis 150 ml je Quadratmeter. Sie bleibt auf der Wand, muss gut trocknen und soll dann möglichst zügig überstrichen werden.
  3. Mit algizider Farbe streichen. Für pilz- oder algenbefallene Flächen nennt Caparol eine fungizid und algizid ausgerüstete Spezialfarbe.

Die Ursache bleibt dabei ein eigenes Thema: Befall entsteht dort, wo die Wand lange feucht bleibt, also auf der Nordseite, hinter Büschen, bei fehlendem Dachüberstand. Wer die Feuchtequelle nicht angeht, sieht den Belag nach einigen Jahren wieder. Mehr zu den Ursachen und zur Reinigung steht im Ratgeber Rote Algen an der Hauswand entfernen.

Reinigen vor dem Streichen: welche Methode für welche Wand

Die passende Methode hängt davon ab, was auf der Wand sitzt und wie robust sie ist.

  • Trocken abbürsten bei losem Staub und Spinnweben auf festem Untergrund.
  • Nass mit Bürste und Reiniger bei leichtem Schmutzfilm und auf empfindlichen Flächen. Ein pH-neutraler Reiniger wie der Kärcher Stein- und Fassadenreiniger* lässt sich über die Reinigungsmittelzufuhr des Hochdruckreinigers mit niedrigem Druck ausbringen, die Einordnung steht in der Rezension des Kärcher Stein- und Fassadenreinigers.
  • Druckwasser bei festsitzendem Schmutz, Kreidung und Algen auf tragfähigem Putz. Für intakte Wärmedämm-Verbundsysteme und Altputze erlaubt Caparol höchstens 60 bar und 60 °C. Stabiler Kalk- oder Zementputz verträgt mehr, praktikabel ist ein Bereich um 80 bis 100 bar mit Flachstrahl und Abstand.

Wichtig vor der großen Fläche: Ältere Dispersionsanstriche lösen sich unter Wasserdruck manchmal flächig ab, auch wenn der Putz darunter fest ist. Ein Testfeld an einer Seitenwand zeigt das vorher. Die Druckwerte je Fassadentyp, den Ablauf und die Besonderheiten von Klinker und Dämmfassaden beschreibt der Ratgeber Fassade reinigen mit dem Hochdruckreiniger.

Spülwasser mit Reiniger- und Farbresten gehört nicht ins Beet und nicht in den Regenwasserkanal. Caparol verweist bei jeder Druckwasserreinigung ausdrücklich auf die gesetzlichen Vorschriften, und die regelt die Entwässerungssatzung deiner Gemeinde.

Wie lange nach der Reinigung warten?

Bis die Wand durchgetrocknet ist. Caparol verlangt nach einer Nassreinigung eine ausreichende Trockenzeit und schreibt, die Flächen vor der Weiterbehandlung gut durchtrocknen zu lassen. Eine feste Zahl nennt das Merkblatt nicht, weil Wandaufbau, Sonne und Wind die Zeit bestimmen.

Als Orientierung: Massives Mauerwerk mit dickem Putz braucht nach einer gründlichen Wäsche gern eine Woche trockenes Wetter. Dünne Putzschichten auf Dämmung trocknen bei Wärme und Wind schneller. Prüfen lässt sich das einfach:

  • Die Wand hat wieder einen gleichmäßigen Farbton, ohne dunklere Zonen am Sockel oder unter Fensterbänken.
  • Die Benetzungsprobe zeigt dasselbe Saugverhalten wie vor der Reinigung.
  • Ein einfaches Feuchtemessgerät zeigt an mehreren Stellen ähnliche, niedrige Werte.

Wer zu früh streicht, schließt Feuchtigkeit unter dem Anstrich ein. Die Folgen sind Blasen, Ablösungen und ein verzögertes Durchtrocknen der Farbe.

Reinigen oder neu streichen: was die Fassade wirklich braucht

Nicht jede graue Fassade braucht neue Farbe. Oft reicht die Reinigung, und der Anstrich kann noch Jahre warten.

ZustandWas reicht
Altanstrich fest, kreidet nicht, Farbton gefällt, nur grauer SchleierReinigung genügt
Grüner oder dunkler Belag, Farbe sonst intaktReinigung, Biozid, bei Bedarf algizider Anstrich
Altanstrich kreidet stark oder ist ausgeblichenReinigung, Putzfestiger, Neuanstrich
Farbe blättert ab, Risse, hohle StellenAltanstrich entfernen, ausbessern, Neuanstrich

Ein Anstrich ohne Reinigung ist dabei in keinem Fall die Abkürzung. Er spart nur dann Arbeit, wenn die Wand ohnehin sauber ist. Wann die Reinigung allein der günstigste Weg ist und was sie kostet, steht ebenfalls im Fassaden-Ratgeber.

Wetter und Temperatur beim Streichen

Ist die Wand vorbereitet und trocken, entscheidet das Wetter über das Ergebnis. Caparol nennt im Merkblatt für AmphiSilan:

  • Temperatur: Material, Umluft und Untergrund mindestens +5 °C und höchstens +30 °C, während der Verarbeitung und der Trocknung.
  • Trocknung: Bei 20 °C und 65 Prozent Luftfeuchte nach 2 bis 3 Stunden oberflächentrocken, nach 12 Stunden überstreichbar, nach 2 bis 3 Tagen durchgetrocknet. Kühler und feuchter dauert es länger.
  • Feuchtebelastung: Regen, Tau oder Nebel auf dem frischen Anstrich können Hilfsstoffe an die Oberfläche bringen, die als gelbliche, klebrige Ablaufspuren sichtbar werden.

Der beste Zeitraum sind darum trockene Tage im späten Frühjahr und frühen Herbst, wenn auch die Nächte nicht unter 5 °C fallen. Die Wetterseite streichst du nicht direkt vor angekündigtem Regen.

Fazit: Abbürsten reicht nur auf sauberer Wand

Eine Fassade ohne Nassreinigung zu streichen, funktioniert auf festem, sauberem Altanstrich, auf dem nur loser Staub liegt. Dann genügen Besen und Bürste. Kreidet die Farbe, sitzt ein Schmutzfilm oder ein grüner Belag auf der Wand, muss sie vorher gereinigt, bei Befall mit Biozid behandelt und gut durchgetrocknet werden.

Die vier Proben kosten wenig Zeit und klären die Frage für deine Wand. Wer danach sauber vorbereitet, bei 5 bis 30 °C streicht und den Regen abwartet, bekommt einen Anstrich, der viele Jahre hält.

Häufige Fragen

Kann man eine Fassade streichen, ohne sie vorher zu reinigen?

Nur wenn der Altanstrich fest, sauber und trocken ist und lediglich losen Staub trägt. Dann genügt trockenes Abbürsten. Sobald ein Schmutzfilm, kreidende Farbe, Algen oder Pilze auf der Wand sitzen, haftet die neue Farbe nur auf dieser losen Schicht und löst sich mit ihr ab. Die Technischen Merkblätter der Farbenhersteller verlangen einen Untergrund frei von Verschmutzungen und trennenden Substanzen.

Was passiert, wenn man über Algen streicht?

Die Algen und Pilze bleiben unter dem Anstrich lebendig, und ihre Sporen sitzen weiter in Putz und Poren. Nach einiger Zeit zeigen sich grüne oder dunkle Flecken erneut, oft schon im ersten feuchten Herbst. Außerdem haftet die neue Farbe auf dem Belag schlecht. Befallene Flächen werden deshalb gereinigt, mit einem Biozid vorbehandelt und mit einer algizid und fungizid ausgerüsteten Farbe gestrichen.

Wie lange muss die Fassade nach der Reinigung trocknen?

Bis sie durchgetrocknet ist. Caparol verlangt nach einer Nassreinigung eine ausreichende Trockenzeit und schreibt, die Flächen vor der Weiterbehandlung gut durchtrocknen zu lassen. Eine feste Zahl gibt es nicht, weil Wandaufbau, Sonne und Wind die Zeit bestimmen. Massives Mauerwerk braucht nach einer gründlichen Wäsche gern eine Woche, dünne Putzschichten auf Dämmung trocknen bei warmem Wetter schneller.

Wie erkenne ich, ob die alte Fassadenfarbe kreidet?

Mit der Wischprobe. Fahre mit der flachen, trockenen Hand oder einem dunklen Tuch kräftig über die Wand. Bleibt Farbpigment an Haut oder Tuch hängen, kreidet der Altanstrich. Dann muss die Fläche gereinigt und mit einem Putzfestiger grundiert werden, sonst hält die neue Farbe nur auf dem losen Pulver.

Mit wie viel Druck darf man eine Fassade vor dem Streichen reinigen?

Das hängt vom Untergrund ab. Caparol erlaubt für intakte Wärmedämm-Verbundsysteme und Altputze eine Reinigung mit Druckwasserstrahl bis höchstens 60 bar und 60 °C. Stabiler Kalk- oder Zementputz verträgt mehr, bewährt ist ein Bereich um 80 bis 100 bar mit Flachstrahl und Abstand. Alte Dispersionsanstriche können sich unter Wasserdruck flächig lösen, deshalb vorher an einer Seitenwand testen.

Bei welcher Temperatur darf man die Fassade streichen?

Bei Fassadenfarben wie Caparol AmphiSilan müssen Material, Luft und Untergrund während Verarbeitung und Trocknung mindestens 5 °C und höchstens 30 °C warm sein. Bei 20 °C und 65 Prozent Luftfeuchte ist der Anstrich nach 12 Stunden überstreichbar und nach 2 bis 3 Tagen durchgetrocknet. Regen, Tau und Nebel während der Trocknung können klebrige Ablaufspuren hinterlassen.

Reicht es, die Fassade nur zu reinigen?

Oft ja. Ist der Altanstrich fest, kreidet nicht und gefällt dir die Farbe noch, bringt eine Reinigung die Fassade optisch zurück, und ein Anstrich kann warten. Kreidet die Farbe stark, blättert sie ab, zeigen sich Risse oder ist der Farbton ausgeblichen, ist ein neuer Anstrich fällig. Gereinigt werden muss die Wand dann trotzdem vorher.

Das könnte dich auch interessieren