Motorradkette reinigen und fetten: Wie oft und womit?

Motorradkette reinigen und fetten: Intervall laut D.I.D alle 500 km, O-Ring-taugliche Mittel statt Petroleum, Fett auf die Innenseite. Mit Durchhang und Verschleiß.

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In diesem Artikel
  1. Warum die Motorradkette besondere Pflege braucht
  2. Wie oft reinigen und fetten?
  3. Welche Reiniger dürfen an die Kette?
  4. Motorradkette reinigen: Schritt für Schritt
  5. Kette richtig fetten
  6. Durchhang prüfen
  7. Verschleiß erkennen
  8. Hochdruckreiniger und Kette
  9. Fazit: freigegebene Mittel, wenig Fett, regelmäßig
  10. Häufige Fragen

Warum die Motorradkette besondere Pflege braucht

Fast alle Straßenmotorräder fahren heute mit einer abgedichteten Kette, je nach Hersteller als O-Ring-, X-Ring- oder Z-Ring-Kette bezeichnet. Zwischen Bolzen und Buchse sitzt ab Werk ein Fettdepot, und kleine Gummiringe zwischen Innen- und Außenlaschen halten es dort. Diese Dauerschmierung im Gelenk ist der Grund, warum eine Motorradkette viele tausend Kilometer hält.

Die Pflege von außen hat deshalb zwei Aufgaben. Sie hält Sand und Schmutz von den Dichtringen fern, die sonst wie Schleifpapier daran arbeiten. Und sie schmiert die Stellen, die das innere Fett nicht erreicht: Rollen, Zahnflanken und die Dichtringe selbst. Ein trockener O-Ring verschleißt schneller und dichtet dann nicht mehr.

Daraus folgt die wichtigste Regel: Alles, was die Dichtringe angreift, ist für die Kette schädlicher als Schmutz. Ein aggressives Lösungsmittel oder ein harter Wasserstrahl, der die Ringe verformt, lässt das Fett aus dem Gelenk entweichen. Von außen lässt es sich nicht mehr ersetzen.

Schematischer Schnitt durch ein Glied einer O-Ring-Kette von oben. Außen zwei Außenlaschen, innen zwei Innenlaschen, durch alle führt der Bolzen. Um den Bolzen sitzt die Buchse, darauf die Rolle. Zwischen Bolzen und Buchse liegt das Fettdepot ab Werk, abgedichtet von je einem O-Ring zwischen Innen- und Außenlasche. Markierung 1: Kettenspray gehört auf Rolle, Laschenspalt und O-Ringe. Markierung 2: Fettdepot, von außen nicht nachfüllbar. Markierung 3: Petroleum, Benzin, Dampf und harter Wasserstrahl greifen die O-Ringe an, dann verlässt das Fett das Gelenk.
Das eigentliche Schmierfett sitzt hinter den O-Ringen. Kettenspray schützt die Ringe und schmiert Rolle und Zahnflanken.

Wie oft reinigen und fetten?

Der Kettenhersteller D.I.D gibt zwei Intervalle an: Die Kette soll etwa alle 500 Kilometer mit einem weichen Tuch und einem O-Ring- bzw. X-Ring-tauglichen Reiniger gesäubert und vollständig getrocknet werden, geschmiert wird bei jeder zweiten Ausfahrt. Die Betriebsanleitung des Motorrads kann davon abweichen und hat im Zweifel Vorrang.

Die Bedingungen verschieben das Intervall deutlich:

SituationWas zu tun ist
Trockene Ausfahrten auf der Straßenach D.I.D jede zweite Fahrt schmieren, alle rund 500 km reinigen
Regenfahrtnach der Fahrt trocknen, reinigen, neu fetten
Streusalz, Winterbetriebam selben Tag reinigen und fetten, Salz greift Kette und Ritzel an
Schotter, Feldweg, Geländegründlich reinigen, Sand zwischen den Laschen wirkt als Schleifmittel
Kette sieht trocken aus oder ist rostig angelaufensofort fetten
Nach der MotorradwäscheKette trocknen, reinigen und neu fetten
Vor der Winterpausegründlich reinigen und fetten, damit sie nicht über Monate rostet

Eine gut gepflegte Kette erkennt man an einem dünnen, gleichmäßigen Schmierfilm ohne schwarze Krusten. Dicke, verklebte Ablagerungen aus altem Fett und Straßenschmutz sind ein Zeichen für zu viel Spray ohne Reinigung.

Welche Reiniger dürfen an die Kette?

Bei kaum einer Frage halten sich Werkstatt-Tipps so hartnäckig wie hier. Der Kettenhersteller hat eine klare Linie: D.I.D empfiehlt ausschließlich Reiniger und Schmierstoffe, die als sicher für Dichtringe ausgewiesen sind, und schließt Dampf, Verdünner, flüchtige Lösungsmittel wie Benzin sowie Drahtbürsten aus. Für Petroleum gibt es eine eigene Aussage: D.I.D rät grundsätzlich davon ab, Antriebsketten damit zu pflegen.

MittelEinschätzungGrund
Kettenreiniger mit O-/X-/Z-Ring-Freigabegeeignetdafür entwickelt, z. B. Motul C1 Chain Clean laut Datenblatt für O-, X- und Z-Ring-Ketten
Petroleumlaut D.I.D nicht empfohlenkann die Dichtringe verformen, entfernt das Schutzfett, Rostgefahr
Benzin, Waschbenzinlaut D.I.D ausgeschlossenflüchtiges Lösungsmittel
Bremsenreinigerungeeignetflüchtiges Lösungsmittel, entfettet vollständig
Dieselkeine FreigabeVerträglichkeit mit den Dichtringen nicht deklariert, hinterlässt öligen Film
Multifunktionsöl wie WD-40als Reiniger nur bedingt, als Kettenfett ungeeignetKriechöl ohne Haftung, kein Ersatz für Kettenspray
Spülmittel mit WasserNotlösunglöst Schmutz, danach gründlich trocknen und sofort fetten
Dampfstrahler, Hochdruckreinigerlaut D.I.D (Dampf) ausgeschlossendrückt Wasser hinter die Dichtringe, verformt sie
Drahtbürstelaut D.I.D ausgeschlossenbeschädigt die Ringe

Der Reiz der Hausmittel liegt im Preis. Eine Dose Kettenreiniger kostet wenig im Vergleich zu einem Kettensatz aus Kette, Ritzel und Kettenrad, und die Gefahr bei den Hausmitteln ist genau dieser Kettensatz.

Motorradkette reinigen: Schritt für Schritt

  1. Motorrad sicher abstellen. Am besten auf dem Hauptständer oder einem Montageständer, damit das Hinterrad frei dreht. Motor aus, Zündung aus, Gang heraus. Das Rad wird nur von Hand gedreht, nie mit laufendem Motor und eingelegtem Gang.
  2. Reifen und Bremse schützen. Pappe oder einen Lappen zwischen Kette und Reifen bzw. Bremsscheibe halten, damit weder Reiniger noch Fett dort landen.
  3. Reiniger aufsprühen. Abschnittsweise die Kette einsprühen und dabei das Hinterrad weiterdrehen. Motul nennt für seinen Kettenreiniger fünf Minuten Wartezeit.
  4. Bürsten. Bei starker Verschmutzung mit einer weichen Kettenbürste, die alle drei Seiten gleichzeitig fasst, die Laschen und Rollen bearbeiten, dann erneut einsprühen. Keine Drahtbürste.
  5. Abwischen. Mit einem sauberen Lappen die Kette rundherum abreiben, bis kaum noch Schwarz am Tuch bleibt. D.I.D beschreibt genau diesen Weg: mit einem weichen, mit Reiniger angefeuchteten Tuch.
  6. Ritzel und Kettenrad mitnehmen. Am Kettenrad lassen sich die Zahnflanken mit Bürste und Tuch gut erreichen. Das Ritzel sitzt meist hinter einem Deckel, den du nur abnimmst, wenn er sich leicht demontieren lässt.
  7. Vollständig trocknen lassen. Fett auf einer feuchten Kette schließt Feuchtigkeit ein.

Kette richtig fetten

Gefettet wird, wenn die Kette sauber und trocken ist. Am besten nimmt sie das Spray handwarm nach einer kurzen Fahrt an, weil es dann besser in die Spalte kriecht.

  • Auf die Innenseite sprühen. Motul gibt für sein Chain Lube Road an, das Spray auf die gesamte Länge der Kettenseite zu bringen, die innen am Ritzel und Kettenrad anliegt. Im Fahrbetrieb trägt die Fliehkraft das Fett nach außen.
  • Auf die Spalte zwischen den Laschen zielen, dort sitzen die O-Ringe.
  • Sparsam bleiben. Eine dünne, gleichmäßige Schicht genügt. Was außen tropft, landet auf Felge und Reifen.
  • Ablüften lassen. Laut Motul haftet Chain Lube Road nach zehn Minuten Trockenzeit vollständig. Wer direkt losfährt, schleudert einen Teil ab.
  • Überschuss abwischen, vor allem an den Außenlaschen und am Kettenrad.

Für Fahrten im Gelände bieten die Hersteller eigene Kettensprays an, die weniger Staub binden. Für Straße und Gelände gilt dieselbe Bedingung: Das Produkt muss für O-, X- oder Z-Ring-Ketten freigegeben sein.

Durchhang prüfen

Beim Reinigen lohnt ein Blick auf die Kettenspannung. Eine zu straffe Kette belastet die Lager am Getriebeausgang und an der Hinterachse, eine zu lockere schlägt und kann im Extremfall abspringen.

Wie Motorrad Online erklärt, nennen die Fahrzeughandbücher meist Werte von 20 bis 40 oder 30 bis 50 Millimetern. Gemessen wird so:

  1. Das Hinterrad drehen, bis die Kette an ihrer straffsten Stelle ist. Ketten längen sich ungleichmäßig.
  2. In der Mitte des unteren Kettentrums einen Zollstock anlegen.
  3. Die Kette mit dem Finger nach oben drücken und nach unten ziehen. Die Differenz ist der Durchhang.

Wichtig ist die Position des Motorrads. Auf dem Hauptständer mit voll ausgefedertem Hinterrad ist die Kette am lockersten, auf dem Seitenständer etwas straffer, und mit Fahrer und Gepäck wird sie straffer, weil sich die Hinterachse vom Ritzel entfernt. Deshalb gilt der Wert nur zusammen mit der Messweise aus der Betriebsanleitung.

Verschleiß erkennen

Jede Kette verschleißt irgendwann, gute Pflege schiebt den Zeitpunkt hinaus. D.I.D nennt diese Warnzeichen:

  • Bolzenköpfe drehen sich. Sie sollten fest sitzen, drehen sie sich, ist es Zeit für einen Tausch.
  • Rost, steife Glieder, fehlende X-Ringe.
  • Ungewöhnliche Geräusche im Betrieb.
  • Längung über 1 Prozent bei abgedichteten Ketten, bei Ketten ohne Dichtringe 2 Prozent.

In der Praxis fällt der Verschleiß oft beim Spannen auf: Muss die Kette in kurzen Abständen nachgestellt werden oder sind die Spannschrauben am Ende ihres Wegs, ist der Tausch nah. Die Zähne von Ritzel und Kettenrad laufen mit, sie werden spitz und hakenförmig. Deshalb wechselt man Kette, Ritzel und Kettenrad üblicherweise gemeinsam als Kettensatz.

Hochdruckreiniger und Kette

Beim Motorradwaschen ist der Hochdruckreiniger für Verkleidung, Felgen und Rahmen ein schnelles Werkzeug, die Kette bleibt aber außen vor. Ein harter Strahl kann die Dichtringe verformen und Wasser hinter die Dichtung drücken, und D.I.D schließt Dampf ausdrücklich aus. Welche Zonen am Motorrad außerdem keinen Strahl vertragen und wie die Wäsche abläuft, beschreibt der Ratgeber Motorrad waschen. Die Kette kommt am Ende dran, mit Reiniger, Tuch und frischem Fett.

Fazit: freigegebene Mittel, wenig Fett, regelmäßig

Für eine Motorradkette reichen ein O-Ring-tauglicher Kettenreiniger, eine weiche Bürste, ein Tuch und ein freigegebenes Kettenspray. D.I.D gibt den Takt vor: etwa alle 500 Kilometer reinigen, bei jeder zweiten Ausfahrt schmieren, nach Regen und Salz sofort.

Wer dabei den Durchhang nach Handbuch kontrolliert und auf sich drehende Bolzenköpfe achtet, erkennt den Tausch rechtzeitig. Ähnliche Regeln gelten am Fahrrad, dort ohne Dichtringe und mit Öl statt Fett: Den Ablauf für das E-Bike zeigt der Ratgeber E-Bike-Kette reinigen und ölen.

Häufige Fragen

Wie oft sollte man die Motorradkette reinigen und fetten?

Der Kettenhersteller D.I.D empfiehlt, die Kette etwa alle 500 Kilometer mit einem weichen Tuch und einem O-Ring-tauglichen Reiniger zu säubern und vollständig zu trocknen. Geschmiert wird nach D.I.D bei jeder zweiten Ausfahrt. Nach Regenfahrten, auf Schotter und im Winter gehört die Kette sofort gereinigt und frisch gefettet. Maßgeblich bleibt das Intervall in der Betriebsanleitung des Motorrads.

Womit reinigt man eine O-Ring-Kette?

Mit einem Kettenreiniger, den der Hersteller ausdrücklich für O-Ring-, X-Ring- oder Z-Ring-Ketten freigibt, dazu eine weiche Kettenbürste und Lappen. D.I.D schließt Dampf, Verdünner, flüchtige Lösungsmittel wie Benzin sowie Drahtbürsten aus. Solche Mittel und Werkzeuge können die Dichtringe beschädigen, die das Fett im Gelenk halten.

Darf man die Motorradkette mit Petroleum reinigen?

D.I.D rät ausdrücklich davon ab. Laut Hersteller kann Petroleum die Dichtringe einer abgedichteten Kette verformen und entfernt das schützende Fett von der Oberfläche, was Rost und im schlimmsten Fall ein Kettenversagen begünstigt. Petroleum ist in vielen Werkstätten ein alter Hausmittel-Klassiker, für moderne O-Ring- und X-Ring-Ketten gibt es mit freigegebenen Kettenreinigern die sicherere Wahl.

Kann man die Motorradkette mit Diesel oder Bremsenreiniger reinigen?

Für beide fehlt die Freigabe der Kettenhersteller. D.I.D empfiehlt ausschließlich Reiniger und Schmierstoffe, die als sicher für Dichtringe ausgewiesen sind, und schließt Verdünner und flüchtige Lösungsmittel aus. Bremsenreiniger ist genau so ein flüchtiges Lösungsmittel, Diesel ist ein Kraftstoff, der sein Verhalten gegenüber den Gummiringen nicht deklariert. Beides spart wenige Euro und riskiert eine Kette, die mehrere hundert kostet.

Wann fettet man die Kette am besten?

Nach der Reinigung und wenn die Kette vollständig trocken ist, am besten noch handwarm nach einer kurzen Fahrt. Das Kettenspray wird auf die Innenseite der Kette gesprüht, Motul gibt für sein Chain Lube Road an, dass es nach zehn Minuten Trockenzeit vollständig haftet. Wer direkt nach dem Sprühen losfährt, schleudert einen Teil des Fetts auf Felge und Reifen.

Darf man die Motorradkette mit dem Hochdruckreiniger reinigen?

Nein. D.I.D schließt Dampf für seine Ketten aus, und ein harter Wasserstrahl kann die O-Ringe verformen und Wasser hinter die Dichtung drücken. Das Fett im Gelenk lässt sich von außen nicht ersetzen. Wer das Motorrad mit dem Hochdruckreiniger wäscht, spart die Kette aus und reinigt sie danach von Hand.

Wie viel Durchhang braucht eine Motorradkette?

Den genauen Wert nennt die Betriebsanleitung des Motorrads, typische Angaben liegen bei 20 bis 40 oder 30 bis 50 Millimetern. Gemessen wird an der straffsten Stelle der Kette in der Mitte des unteren Trums. Ob das Motorrad dabei auf dem Haupt- oder Seitenständer steht, schreibt der Hersteller vor, denn mit eingefedertem Hinterrad ist die Kette straffer.

Woran erkennt man, dass die Motorradkette verschlissen ist?

D.I.D nennt sich drehende Bolzenköpfe als deutliches Zeichen. Weitere Hinweise sind Rost, steife Glieder, fehlende X-Ringe und ungewöhnliche Geräusche im Betrieb. Als Längungsgrenze gibt D.I.D 1 Prozent für abgedichtete Ketten an. Muss die Kette ständig nachgespannt werden, ist der Tausch meist ebenfalls nah.

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