Unkraut mit Feuer entfernen: Geräte, Technik, Brandschutz

Unkraut mit Feuer entfernen: Ab 60 °C stirbt das Gewebe, Verkohlen ist unnötig. Gas- und Elektrogeräte im Vergleich, 4 bis 6 Durchgänge im Jahr, Brandschutz.

Anwendungen Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

In diesem Artikel
  1. Wie wirkt Feuer gegen Unkraut?
  2. Welche Geräte gibt es?
  3. Gas oder Strom?
  4. Schritt für Schritt: richtig abflammen
  5. Wo Abflammen funktioniert und wo nicht
  6. Wie oft muss abgeflammt werden?
  7. Brandschutz: was du vor dem Zünden klärst
  8. Fazit: kurze Hitze, viele Termine
  9. Häufige Fragen

Wie wirkt Feuer gegen Unkraut?

Beim Abflammen zerstört die Hitze die Zellen der Pflanze von innen. Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück beschreibt den Mechanismus. Wird das Pflanzengewebe über 60 °C erhitzt, gehen die Eiweiße in den Zellmembranen kaputt, und Zellsaft tritt aus. Das Gewebe ist danach irreversibel geschädigt. Das sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) nennt sogar 57 °C, wenn sie kurz erreicht werden.

Für die Praxis reicht deshalb ein kurzes Überstreichen. Auch Stiftung Warentest betont, dass die Blätter nicht verkohlen müssen, die Pflanzen sterben an der Hitze. Wer jede Pflanze schwarz brennt, verbraucht mehr Gas und erhöht die Brandgefahr, ohne dass das Unkraut schneller verschwindet.

Balkendiagramm der Arbeitstemperaturen von 0 bis 1.000 Grad Celsius mit einer Wirkschwelle bei rund 60 Grad. Heißes Wasser erreicht bis 100 Grad, Heißdampf 130 bis 150 Grad, elektrische Heißluft des GLORIA Thermoflamm Electro 650 Grad, die Heizspirale des Thermoflamm Fix 800 Grad und die Gasflamme des Thermoflamm Classic bis 1.000 Grad.
Pflanzengewebe stirbt schon über 60 °C ab. Abflammgeräte liefern das Zehn- bis Sechzehnfache, darum genügen Sekunden.

Ob die Hitze gereicht hat, zeigt die Fingerdruckprobe, die das DLR empfiehlt. Drück ein behandeltes Blatt leicht zwischen Daumen und Zeigefinger. Wird es dunkelgrün und behält den Abdruck, ist das Gewebe zerstört. Bleibt es fest und hell, war die Hitze zu kurz. In den folgenden Tagen welkt die Pflanze und vertrocknet.

Welche Geräte gibt es?

Im Hausgarten sind vier Bauarten üblich. Sie unterscheiden sich vor allem im Wärmeträger und in der Fläche, die sie in vertretbarer Zeit schaffen. Die Temperaturen stammen von den Herstellerangaben der GLORIA-Thermoflamm-Reihe, die alle vier Bauarten abdeckt.

BauartEnergieTemperatur laut HerstellerBeispielpasst für
KartuschenbrennerSchraubkartusche mit Butan und Propanbis 1.000 °CGLORIA Thermoflamm Classic, 87 cm, 1,4 kgFugen und Wege am Haus
Brenner an der Gasflasche5- oder 11-kg-Flasche, 5-m-Schlauch, Druckmindererbis 1.000 °CGLORIA Thermoflamm ProfessionalEinfahrten, Höfe, lange Wege
Elektro-HeißluftNetzstrom650 °CGLORIA Thermoflamm Electro, 116 cmeinzelne Pflanzen in Reichweite der Steckdose
Heizspirale auf RädernNetzstrom800 °C, 150 cm² HitzeflächeGLORIA Thermoflamm Fix, 122 cmPflaster- und Plattenflächen

Kartuschenbrenner sind die handlichste Lösung. Der Thermoflamm Classic zündet per Piezoknopf und wiegt 1,4 kg. Der Comfort aus derselben Reihe ist mit 97 cm etwas länger und bringt einen Softgriff mit, das schont den Rücken bei größeren Flächen. Beide laufen mit Schraubkartuschen. GLORIA füllt seine eigenen 600-ml-Kartuschen mit 70 % Butan und 30 % Propan und verspricht damit eine um rund 30 % längere Brenndauer als mit reinem Butan.

Brenner an der Gasflasche sind für große Flächen gedacht. Der Thermoflamm Professional hängt an einem 5-m-Schlauch und einer handelsüblichen 5- oder 11-kg-Flasche. Der Druckminderer (4 bar) liegt nur dem Set bei. Wer eine Einfahrt oder einen Hof abflammt, spart sich damit das ständige Kartuschenwechseln.

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Elektrogeräte arbeiten ohne Gas. Der Thermoflamm Electro bläst einen 650 °C heißen Luftstrahl durch eine Kegeldüse, die laut GLORIA die Hitzeabstrahlung zur Seite abschirmt. Er läuft nur, solange der Knopf gedrückt ist, und hat einen Standfuß, auf dem er abkühlt. Der Thermoflamm Fix ist ein anderes Konzept. Eine 800 °C heiße Heizspirale sitzt unter einem Hitzeschutzblech, vier Räder führen sie über das Pflaster. Mit 150 cm² Hitzefläche deckt er mehrere Fugen auf einmal ab.

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Eine fünfte Bauart begegnet dir eher bei Kommunen. Infrarotgeräte erhitzen mit einer Gasflamme eine Metallfläche, die die Wärme als Strahlung an die Pflanzen abgibt. Laut DLR sinkt die Brandgefahr dadurch erheblich, ganz verschwindet sie aber nicht, vor allem bei vertrocknetem Rasenschnitt in der Nähe.

Gas oder Strom?

Stiftung Warentest hat zusammen mit dem niederländischen Konsumentenbond zehn Unkrautverbrenner geprüft (veröffentlicht im April 2019). Mit Gasbrennern ging die Arbeit schneller. Die Elektrogeräte waren langwierig, weil ihr Fuß einige Sekunden auf jeder einzelnen Pflanze stehen muss. Zu den besten Modellen zählten die Tester den GLORIA Thermoflamm Bio Classic und den Rothenberger Industrial RoMaxi Eco, beides Gasbrenner.

GasStrom
Temposchneller, die Flamme streicht über mehrere Pflanzenlangsamer, Pflanze für Pflanze
ReichweiteKartusche ohne Kabel, Flasche mit 5-m-Schlauchso weit wie das Verlängerungskabel
Brandgefahrhoch, offene FlammeHitzestrahl ohne Flamme, heiße Düse
NachschubKartuschen oder Gasflaschekeiner
passt fürEinfahrten, lange Wege, KiesFugen am Haus, kleine Flächen

Umweltfreundlich ist keine der beiden Varianten. Warentest weist ausdrücklich auf den hohen Energieverbrauch der Brenner hin. Das DLR nennt thermische Verfahren insgesamt sehr energieaufwendig.

Schritt für Schritt: richtig abflammen

  1. Den richtigen Tag wählen. Trocken und windstill. Laut DLR wirken thermische Geräte bei trockener Witterung besser, weil taunasse Pflanzen eine isolierende Schicht tragen. Wind treibt die Flamme seitlich weg und verteilt Funken.
  2. Die Fläche vorbereiten. Trockenes Laub, Rasenschnitt, Zweige und Papier kehrst du vorher weg. Sie fangen schneller Feuer als jede Pflanze.
  3. Zünden und Abstand halten. GLORIA nennt für den Thermoflamm Professional etwa 3 cm über der Pflanze. Geh langsam und lass die Flamme wenige Sekunden über jede Pflanze streichen.
  4. Prüfen. Die Fingerdruckprobe zeigt, ob die Blätter genug Hitze bekommen haben. Wird das Blatt dunkelgrün, geht es weiter zur nächsten Pflanze.
  5. Abkehren. Nach einigen Tagen sind die Pflanzen vertrocknet und lassen sich mit dem Besen aus den Fugen holen.
  6. Wiederholen. Sobald frische Blätter erscheinen, ist der nächste Durchgang fällig. Junge Pflanzen sterben vollständig ab, ältere treiben eher wieder aus.

Nach der Arbeit braucht das Gerät Zeit zum Abkühlen. Leg es dabei auf Stein ab, nie auf Rasen, Holz oder Kunststoff.

Wo Abflammen funktioniert und wo nicht

Abflammen trifft jede Pflanze, die die Flamme berührt. Es passt deshalb auf Flächen, auf denen gar nichts wachsen soll.

  • Gut geeignet sind Pflasterfugen, Plattenwege, Kies- und Schotterflächen, Einfahrten und Hofflächen.
  • Ungeeignet ist der Rasen, weil das Gras genauso abstirbt. Auch Beetränder mit Stauden oder Gemüse brauchen viel Abstand.
  • Gefährlich wird es neben Hecken, vor allem Nadelgehölzen, an Holzzäunen, Holzterrassen und Gartenhäusern, auf Rindenmulch und an Kunststoff wie Rasenkanten, Folien und Gartenschläuchen.

Je nach Bauart steigt laut DLR außerdem die Abwärme der Geräte nach oben und kann überhängende Äste von Bäumen und Sträuchern schädigen.

Gegen Moos in den Fugen bringt die Flamme wenig. Sie trocknet nur die Triebe aus, die Schmutzschicht mit dem Nährboden bleibt liegen. Wie das Moos samt Schmutzschicht aus den Fugen kommt, erklärt der Ratgeber Moos zwischen Pflastersteinen dauerhaft entfernen.

Wie oft muss abgeflammt werden?

Ein Durchgang reicht fast nie. Die Hitze erfasst die Blätter, die Wurzel bleibt unberührt. Das DLR beschreibt zwei Gruppen, mit denen thermische Geräte Mühe haben. Einjährige Arten mit dicken Blättern oder mit Vegetationspunkten dicht am Boden werden schlechter erfasst. Wurzelunkräuter wie Löwenzahn, Quecke oder Giersch lassen sich nicht nachhaltig beseitigen, sie müssen durch wiederholte Behandlung ausgehungert werden.

Das LfULG hat Hitzeverfahren über mehrere Jahre auf Wegen und Plätzen geprüft. Für Abflammen, Infrarot und Heißluft empfiehlt es mindestens 4 bis 6 Durchgänge im Jahr. Deutliche Erfolge zeigten sich meist erst im zweiten oder dritten Jahr. In der Wirkung lagen diese Verfahren hinter Heißwasser und Heißschaum, bei der Flächenleistung vorn.

Für die Planung heißt das, das Abflammen über die Saison zu verteilen. Der erste Durchgang folgt im Frühjahr, sobald die ersten Keimlinge zu sehen sind, danach alle paar Wochen, solange neue Blätter kommen. Löwenzahn mit kräftiger Pfahlwurzel holst du besser einmal mit dem Unkrautstecher heraus. Welche Methode für welche Pflanze passt und wie die Fuge danach frei bleibt, vergleicht der Ratgeber Unkraut aus Fugen entfernen.

Brandschutz: was du vor dem Zünden klärst

Das DLR nennt die offene Flamme der Abflammgeräte ausdrücklich mit hoher Brandgefahr verbunden. Deshalb würden sie im Haus- und Kleingarten nur in geringem Umfang eingesetzt. Wie schnell es geht, zeigt ein Fall, über den die Polizei Aachen berichtete. Ein Funke aus einem Gasbrenner setzte beim Unkrautabflammen einen Garten in Brand. Dem Verursacher drohte ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Brandstiftung.

  • Wind abwarten. Schon eine leichte Brise trägt Funken und Hitze zur Seite.
  • Wasser bereitstellen. Gießkanne oder angeschlossener Gartenschlauch gehören neben die Arbeitsfläche.
  • Brennbares wegräumen. Laub, dürres Gras, Zweige und Mulch im Umkreis vorher entfernen.
  • Abstand halten. Zu Hecken, Holz, Carport, Mülltonnen und allem aus Kunststoff.
  • Feste Kleidung tragen. Geschlossene Schuhe und lange Hosen, keine Sandalen.
  • Kartusche richtig wechseln. Nur bei erloschener Flamme und abgekühltem Brenner, abseits von Zündquellen.
  • Nachkontrollieren. Nach der Arbeit einmal die Fläche ablaufen und auf Glut oder Rauch achten.

Auf öffentlichen Gehwegen vor dem Haus kommen Passanten und parkende Autos dazu. Welche Pflichten Anlieger dort haben und welche Mittel erlaubt sind, steht im Ratgeber Unkraut vom Gehweg entfernen.

Fazit: kurze Hitze, viele Termine

Abflammen ist eine erlaubte und schnelle Methode für Fugen, Wege und Kies. Halte das Gerät nur wenige Sekunden über die Pflanze, prüf mit der Fingerdruckprobe und plane vier bis sechs Durchgänge über die Saison ein. Für lange Wege und Einfahrten ist ein Gasbrenner die schnellere Wahl, für einzelne Fugen am Haus reicht ein Elektrogerät.

Vor jedem Einsatz entscheidet der Blick auf Wind, Laub und Hecken, ob heute ein guter Tag dafür ist. Löwenzahn und andere Wurzelunkräuter brauchen zusätzlich den Stecher.

Häufige Fragen

Ist Unkraut abflammen erlaubt?

Ja. Abflammen ist ein thermisches Verfahren. Das Pflanzenschutzgesetz verbietet auf Wegen, Einfahrten und Terrassen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Hitze fällt nicht darunter. Abflammen ist deshalb auch auf Pflaster und Gehwegen erlaubt. Wer dabei einen Brand verursacht, haftet allerdings und riskiert ein Verfahren wegen fahrlässiger Brandstiftung.

Wie lange muss ich die Flamme auf das Unkraut halten?

Nur wenige Sekunden. GLORIA nennt für den Thermoflamm Professional einen Abstand von etwa 3 cm über der Pflanze und wenige Sekunden Einwirkzeit. Die Blätter müssen dabei nicht verkohlen, darauf weist auch Stiftung Warentest hin. Bei Elektrogeräten dauert es länger, laut Warentest muss das Gerät einige Sekunden auf jeder einzelnen Pflanze stehen.

Kann ich Unkraut im Rasen abflammen?

Nein. Die Hitze schädigt jedes Pflanzengewebe über 60 °C, das Gras genauso wie das Unkraut. Im Rasen hilft gegen einzelne Unkräuter das Ausstechen. Abflammen ist für Flächen gedacht, auf denen gar nichts wachsen soll, also Fugen, Wege, Kies und Einfahrten.

Hilft Abflammen gegen Löwenzahn und Giersch?

Nur mit vielen Durchgängen. Die Hitze tötet die Blätter, die Wurzel überlebt und treibt neu aus. Laut DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück lassen sich Wurzelunkräuter mit thermischen Verfahren nicht nachhaltig beseitigen, sie müssen durch wiederholte Behandlung ausgehungert werden. Gegen einzelnen Löwenzahn ist der Unkrautstecher schneller.

Welches Gas brauche ich für ein Abflammgerät?

Das hängt vom Gerät ab. Kartuschenbrenner wie der GLORIA Thermoflamm Classic laufen mit Schraubkartuschen, GLORIA füllt seine 600-ml-Kartuschen mit 70 % Butan und 30 % Propan. Geräte für große Flächen wie der Thermoflamm Professional hängen über einen 5-m-Schlauch an einer 5- oder 11-kg-Gasflasche und brauchen einen Druckminderer.

Ist ein elektrischer Unkrautvernichter besser als ein Gasbrenner?

Er ist bequemer, aber langsamer. Stiftung Warentest fand die Elektrogeräte in der Anwendung langwierig, mit den Gasbrennern ging die Arbeit schneller. Dafür braucht ein Elektrogerät weder Kartusche noch Flasche und arbeitet ohne offene Flamme. Für einzelne Fugen in Reichweite einer Steckdose passt Strom, für lange Wege und Einfahrten Gas.

Wann ist die beste Zeit zum Abflammen?

Ein trockener, windstiller Tag, solange die Pflanzen klein sind. Laut DLR wirken thermische Geräte bei trockener Witterung besser, weil taunasse Pflanzen eine isolierende Schicht tragen. Junge Pflanzen sterben ganz ab, ältere treiben eher wieder aus. In langen Trockenperioden mit Laub und dürrem Gras in der Nähe ist die offene Flamme riskant.

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